Stada

Neustart beim Traditionsunternehmen

Hartmut Retzlaff verlässt Stada. Das Unternehmen steht möglicherweise vor einer großen Wende.

Veröffentlicht: 17.08.2016, 09:35 Uhr

BAD VILBEL. Der Pharmahersteller Stada hat sich, wie kurz berichtet, von seinem langjährigen Vorstandschef Hartmut Retzlaff getrennt. Der 62 Jahre alte Manager hatte schon seit Juni seine Geschäfte ruhen lassen und dafür gesundheitliche Probleme angeführt.

Der MDax-Konzern steht andererseits unter dem Druck kritischer Aktionäre, die Retzlaff und seine Unternehmensführung in den vergangenen Monaten scharf kritisiert und einen Kurswechsel verlangt hatten.

Man habe das Anstellungsverhältnis "aufgrund persönlicher Umstände einvernehmlich" beendet, teilte Stada mit. Der eigentlich bis August 2021 berufene Retzlaff wird von seinen Aufgaben freigestellt und erhält neben bis zum Jahresende fortgezahlten Bezügen noch eine Abfindung in nicht genannter Höhe.

Er leitete das Unternehmen seit 1993. Seit Juni steht Matthias Wiedenfels an der Stada-Spitze.

Zahlungen an Retzlaff überschritten zwei Jahresvergütungen nicht

Die nun vereinbarten Zahlungen an Retzlaff würden zusammengenommen zwei Jahresvergütungen nicht übersteigen und damit den Vorschriften zur guten Unternehmensführung genügen, erklärte das Unternehmen. Im vergangenen Jahr hatte Retzlaff 3,6 Millionen Euro erhalten.

Mit zuletzt 2,1 Milliarden Euro Umsatz ist Stada der letzte von anderen Konzernen unabhängige Generika-Hersteller in Deutschland, hat aber auch OTC im Portfolio. Die Aktiengesellschaft ging aus der einstigen Genossenschaft "Standardpräparate Deutscher Apotheker" hervor. Laut "Handelsblatt" haben zahlreiche Finanzinvestoren bereits Interesse gezeigt, bei Stada einzusteigen.

Der Großaktionär Active Ownership Capital (AOC) hatte die Neubesetzung des Stada-Aufsichtsrats verlangt. Auch einflussreiche Aktionärsberater sprachen sich gegen dessen Chef Martin Abend aus, der sich auf der Hauptversammlung am 26. August zur Wiederwahl stellen will.

Mit Retzlaffs Abgang ist nach Medienberichten der Weg frei für eine Vergrößerung des Vorstands von drei auf vier Manager. Neben Wiedenfels ist derzeit noch Helmut Kraft als Finanzvorstand berufen. Gesucht würden Führungskräfte für Forschung und Entwicklung sowie für Marketing und Vertrieb. (dpa)

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