MB-Umfrage unter angestellten Ärzten

Niedersachsen: Ein Viertel der angestellten Ärzte denkt über Berufswechsel nach

Laut MB-Umfrage überlegt jeder vierte angestellte Arzt in Nidersachsen, den Job zu wechseln. Grund für die schlechte Stimmung ist laut Erhebung vor allen Dingen die zu hohe Arbeitsbelastung.

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Viele angestellte Ärzte in Niedersachsen sind in ihrem Job gestresst, denken über einen Arbeitgeberwechsel nach.

Viele angestellte Ärzte in Niedersachsen sind in ihrem Job gestresst, denken über einen Arbeitgeberwechsel nach.

© Robert Kneschke / stock.adobe.com

Hannover. Gewalt, Bürokratie, Personalnot – 26 Prozent der angestellten Ärztinnen und Ärzte in Niedersachsen denken über einen Berufswechsel nach. Das sind vier Prozent mehr als bei der letzten Befragung 2022. Weitere 16 Prozent seien unentschlossen, so der MB. Das sind zwei der zentralen Ergebnisse der Mitgliederbefragung des Marburger Bundes (MB) Landesverband Niedersachsen (MB Monitor 2024). Das gab der MB Niedersachsen am Mittwoch bekannt.

Grund für die schlechte Stimmung sei vor allen Dingen die zu hohe Arbeitsbelastung. 76 Prozent der Befragten gaben dies an. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die große Fallhöhe zwischen den eigenen hohen Erwartungen an den Beruf und der Realität (69 Prozent) sowie die fehlende Zeit mit den Patienten (49 Prozent).

Personaldecke im eigenen Betrieb als zu dünn empfunden

60 Prozent der Befragten fühlen sich häufig oder ständig überlastet, so die Zahlen des MB. Kein Wunder, dass ebenso viele die Personaldecke in ihrem Betrieb zu dünn finden und 41 Prozent sogar von Personalabbau in ihren Häusern berichten.

Wer seine Stelle reduzieren will, um dem Stress auszuweichen, arbeitet dennoch oft zwischen 29 und 39 Stunden in der Woche. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit indessen liege bei 47,6 Wochenstunden. So komme man oft nur durch eine Arbeitszeitreduktion auf 40 Wochenstunden.

Die weiterhin zeitfressende Bürokratie in den Einrichtungen verknappe die Zeit mit den Patienten umso mehr, so die Befragten. Neben überlastetem oder fehlendem Personal drückt auch die angespannte Atmosphäre in der Patientenversorgung auf die Stimmung. 40 Prozent der Befragten berichteten jedenfalls von immer mehr Gewalterfahrungen. Fast alle Ärztinnen und Ärzte (90 Prozent) erlebten verbale Gewalt und die Hälfte der Befragten auch körperliche Attacken.

Die Antworten der Ärztinnen und Ärzten piegelten die „unzumutbare Realität in unseren niedersächsischen Kliniken wider“, kommentiert Hans Martin Wollenberg, erster Vorsitzender des MB Niedersachsen, die Zahlen. „Das Gesundheitssystem braucht eine tiefgreifende Reform“, forderte er, „insbesondere bei den Personalvorgaben, der Krankenhausfinanzierung und der Schaffung zusätzlicher Studienplätze.“

Es gibt auch positive Signale

Aber es gibt auch positive Signale, die die Stimmung in den Einrichtungen heben dürfte: 84 Prozent der Ärztinnen und Ärzte bewerten die Zusammenarbeit von ärztlichen und nicht-ärztlichen Teammitglieder als gut beziehungsweise sehr gut.

Ermittelt hat die Zahlen das Institut für Qualitätsmessung und Evaluation (IQME) im Auftrag des MB. Es hat im Herbst 2024 rund 1.300 angestellte Ärztinnen und Ärzte befragt. (cben)

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