Berufskrankheiten

Pflege hat Rücken

Vertreter bestimmter Gesundheitsfachberufe haben ein erhöhtes Risiko für berufsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen. Das zeigt eine aktuelle Analyse.

Matthias WallenfelsVon Matthias Wallenfels Veröffentlicht:

DORTMUND. Für Frauen ist das Risiko in Pflegeberufen, in der Geburtshilfe sowie in medizinischen Fachberufen besonders hoch, sich eine Berufserkrankung des Muskel-Skelett- Systems zuzuziehen. Bei den Männern sind vor allem Bergleute und Steinbearbeiter, Beschäftigte in der Baubranche sowie Hilfsarbeiter betroffen. Dieses Fazit zieht die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in ihrem vor Kurzem veröffentlichten Forschungsbericht "Berufskrankheiten durch mechanische Einwirkungen".

Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates verursachen fast jeden vierten Ausfalltag aufgrund von Arbeitsunfähigkeit in Deutschland, so die BAuA, und ergänzt, dass nur manche dieser Erkrankungen als Berufskrankheiten definiert sind. Die Studie beruht auf einer Auswertung von Bestandsdaten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zum Berufskrankheitengeschehen (BK-DOK). Es wurden die Raten neu bestätigter Berufskrankheitenfälle pro Berufsgruppe und stratifiziert nach Geschlecht berechnet. Konkret handelt es sich dabei um die Berufskrankheit (BK) 2102 (Meniskusschäden), die BK 2103 (Hand-Arm-Vibration), die BK 2105 (Bursitis), die BK 2108 (Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch Heben oder Tragen von Lasten oder extreme Rumpfbeugehaltung), die BK 2110 (Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch Ganzkörpervibration) sowie die BK 2112 (Gonarthrose durch Knien).

Höchste BK-Rate bei Meniskopathien

Zur BK 2102 (Meniskopathien) finden sich laut Studie berufsspezifisch sehr hohe BK-Raten mit 163 bzw. 21 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige bei der Berufsgruppe der Bergleute sowie Bedienern von bergbaulichen und Mineralaufbereitungsanlagen. BK-Raten zwischen 6,5 und 5 Fällen pro 100.000 seien unter Erwerbstätigen in Ausbau- und verwandten Berufen, Textil-, Bekleidungs- und verwandten Berufen sowie in künstlerischen, Unterhaltungs- und Sportberufen nachweisbar.

Bestätigte Fälle einer BK 2103 (Einwirkung von Hand-Arm-Vibrationen) seien mit rund 59 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige bei Bergleuten sehr häufig. In vier weiteren Berufen (Bediener von bergbaulichen und Mineralaufbereitungsanlagen, Baukonstruktions- und verwandte Berufe, Hilfsarbeiter im Bergbau und Baugewerbe sowie Maschinenbediener für chemische Erzeugnisse) fänden sich BK-Raten zwischen 2,5 und über einem Fall pro 100.000 Erwerbstätige.

Die Bursitis (BK 2105) wird laut Erhebung bei Beschäftigten in der Berufsgruppe Textil-, Bekleidungs- und verwandte Berufe mit 13 Fällen sowie mit 9 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige in Ausbauberufen relativ häufig bestätigt. In fünf weiteren Berufen – darunter Bergbau, Bauberufe und Montierer – liege die BK-Rate zwischen 2,9 und 1,2 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige.

Die BK 2108 (Heben- und Tragen von Lasten) werde in 26 Berufen mit über 1 bis 7 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige bestätigt. Die höchste BK-Rate sei bei Beschäftigten der Berufsgruppe nicht-wissenschaftliche Krankenpflege und Geburtshilfefachkräfte mit rund 16 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige nachweisbar.

Mit BK-Raten von 1,5 und 1,4 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige ist die BK 2110 nur bei Bedienern von bergbaulichen und Mineralaufbereitungsanlagen sowie Führern von Landmaschinen und anderen mobilen Anlagen von Bedeutung, wie aus der Studie hervorgeht.

Gonarthrosen durch kniende Tätigkeiten (BK 2112) werden bei Bergleuten mit rund 12 Fällen pro 100.000 Erwerbstätige relativ häufig bestätigt.

Von der BK 2108 (Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch Heben oder Tragen von Lasten oder extreme Rumpfbeugehaltung) besonders betroffen sind mit mehr als fünf bestätigten Fällen von Berufskrankheiten pro 100.000 Erwerbstätige die Berufsgruppe der nichtwissenschaftlichen Krankenpflege- und Geburtshilfefachkräfte, Beschäftigte in medizinischen Fachberufen sowie in Pflege- und verwandten Berufen, so die Analyse.

Rückenschmerzen im Vordergrund

Der Arbeitsunfähigkeit durch Muskel-Skelett-Erkrankungen werden laut BAuA mit rund 125 Millionen 22,1 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage, 13 Milliarden Euro Produktionsausfallkosten sowie 22,7 Milliarden Euro Ausfall an Bruttowertschöpfung zugerechnet. Erkrankungen des Rückens (insbesondere Rückenschmerzen) stünden als Diagnose im Vordergrund.

22,1% aller Arbeitsunfähigkeitstage waren 2014 Muskel-Skelett-Erkrankungen geschuldet. In Summe handelte es sich laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin um 125 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage.

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