Kommentar – IQTiG-Report

Qualität in Kliniken? Die Mängelliste ist lang

Von Helmut Laschet Veröffentlicht: 25.09.2018, 18:00 Uhr

Es ist schon eine eigenwillige Interpretation, die die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) der Öffentlichkeit weismachen will, was die angeblich hervorragenden Ergebnisse des Qualitätsreports des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTiG) angeht.

So viel ist richtig: Die Mehrzahl der vom IQTiG herangezogenen Qualitätsparameter deuten in die richtige Richtung, das Qualitätsniveau steigt langsam.

Tatsache ist aber auch, dass das IQTiG bislang nur einen kleinen Ausschnitt des Leistungsgeschehens in Krankenhäusern aufgrund der erhobenen Daten und der bislang entwickelten Qualitätsparameter misst. Und selbst hier zeigt der Report schwerwiegende und anhaltende Mängel auf, die trotz des strukturierten Dialogs nicht abgestellt worden sind.

Das betrifft vor allem die auffällig häufigen Fälle von schweren Dekubitalgeschwüren – ein Hinweis darauf, dass die Pflege in Kliniken ein Qualitätsproblem hat. Das wiederum ist angesichts der Personalengpässe nicht verwunderlich.

Diese Engpässe sind das Ergebnis einer jahrelangen Misswirtschaft durch Personalabbau, fehlende Ausbildungsinvestitionen, unzulängliche Digitalisierung der Dokumentation und gravierende Mängel in der Personalführung.

Das hat erst jüngst der Fehlzeitenreport der AOK gezeigt, in dem der Zusammenhang zwischen fehlender oder gestörter intrinsischer Motivation und Krankenstand untersucht worden ist. Die Angehörigen der Pflegeberufe sowohl in Krankenhäusern wie in Pflegeheimen weisen die höchsten Krankenstände der Gesundheitsberufe auf. Auch das beeinflusst Qualität.

Ein weiteres Indiz für beträchtliche Qualitätsmängel ist der in Deutschland praktizierte Umgang mit Sepsis – im internationalen Vergleich liegen wir im unteren Drittel. Fehlendes Screening mit gezielter Diagnostik führt zur Schrotschusstherapie mit Breitband-Antibiotika und zu einer um etwa 50 Prozent höheren Krankenhaus-Letalität, als bei Beachtung aktueller medizinischer Erkenntnisse zu erwarten ist.

Dass in den Abrechnungen nicht selten die Ursachen für den enorm erhöhten Behandlungsaufwand verdeckt werden können, zählt zu den Merkwürdigkeiten eines Gesundheitssystems, das sich für eines der besten der Welt hält.

Selbst in hochsensiblen Leistungsbereichen wie der Perinatalmedizin perpetuieren die Probleme: Die jüngste Erhebung des Gemeinsamen Bundesausschusses zur Pflegepersonalbesetzung in Perinatalzentren offenbart, dass die überwiegende Mehrzahl der Kliniken nicht imstande ist, die Personalanforderungen, die der GBA für nötig hält, zu erfüllen. Der Arbeitsmarkt sei leergefegt, heißt es fatalistisch.

Lesen Sie dazu auch: IQTiG-Report: Kliniken geizen nicht mit Eigenlob

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