Gefälschte Impfpässe

Schlag gegen Betrüger – immer mehr gefälschte Corona-Impfausweise

Der illegale Markt für gefälschte Corona-Impfausweise boomt. Jüngste Meldungen dazu kommen aus dem Süden Deutschlands und Thüringen. In Bayern ist Ermittlern nun ein Schlag gegen Fälscher gelungen.

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Geimpft! Immun! – ist die Info auf dem Handy korrekt?

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Neu-Isenburg. Die Ermittler sprechen von einem Verfahren von „überdurchschnittlicher Bedeutung“: In München machen Polizisten eine Betrügerbande dingfest, die Hunderte gefälschte QR-Codes für den digitalen Corona-Impfausweis hergestellt und im Internet verkauft haben soll. Sie finden bei der Aktion am Freitag Geld und Kryptowährungen von fast 100.000 Euro, es gibt zwei Verhaftungen: Ein wichtiger Schlag gegen Fälscher. Doch das Problem dürfte damit kaum gelöst sein. Denn Bayerns Polizei registriert immer mehr Impfausweise mit gefälschten Corona-Zertifikaten.

„Wir gehen davon aus, dass immer mehr gefälschte Impfausweise im Umlauf sind“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der Deutschen Presse-Agentur in München. Unabhängig von dem Schlag gegen die Fälscherbande vom Freitag hat die Bayerische Polizei demnach 440 Fälle registriert, die im Zusammenhang mit der Fälschung von Impfpässen, Impfzertifikaten oder Impfstoffetiketten stehen. Anfang September waren es gerade erst 110 Fälle gewesen.

350 Euro für einen digitalen Impfausweis

Im Münchner Fall waren eine Apotheke und Privatwohnungen durchsucht worden. Seit Mitte August sollen die Betrüger Fake-Codes auf einem deutschsprachigen Cybercrime-Forum im Internet angeboten haben, wie die zuständigen Ermittler der Bayerischen Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen (ZKG) mitteilten. 350 Euro musste man demnach zuletzt dafür hinlegen, um einen digitalen Impfausweis zu bekommen – ohne gegen das Coronavirus geimpft worden zu sein. Allein im Oktober sollen die Fälscher mehr als 500 Impfzertifikate ausgestellt haben.

„Jedem ist es selbst überlassen, ob er sich gegen Corona impfen lässt. Falls man sich aber gegen eine Impfung entscheidet, muss man auch dazu stehen“, betonte Herrmann. Vorzugaukeln, geimpft zu sein, um ohne Tests beispielsweise in die Gaststätte oder ins Kino zu gehen, sei nicht nur eine Riesenfrechheit. „Diese Leute setzen aufgrund der unkalkulierbaren Infektionsrisiken das Leben anderer aufs Spiel. Es drohen zu Recht hohe Strafen.“

Hunderte Menschen dürften sich allein bei den am Freitag in München dingfest gemachten Betrügern falsche digitale Impfausweise besorgt haben. Laut dem bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg angesiedelten ZKG ist es aber nicht möglich, ihre Namen zu ermitteln. Unklar ist, ob ihre gefälschten Impfausweise gelöscht oder ungültig gemacht werden können.

Auch Freiheitsstrafen sind möglich

Gefälschte Impfausweise können Straftatbestände wie Urkundenfälschung erfüllen. Wer sie in Verkehr bringt oder nutzt, macht sich strafbar, in der Folge sind sogar Freiheitsstrafen möglich. Im Fall der Münchner Betrügerbande kam die Apothekenmitarbeiterin und ein Komplize in Untersuchungshaft, in diesem Fall geht es um „Unzutreffende Bescheinigung einer COVID-19-Schutzimpfung“ und Fälschung technischer Aufzeichnungen.

Gefälschte Impfausweise sind ein bundesweites Problem. Seitdem es Ungeimpfte im Alltag deutlich schwerer haben, etwa bei Besuchen in Restaurants oder Theatern, haben die Corona-Zertifikate an Wert gewonnen, da sie die ansonsten für viele Menschen kostenpflichtigen Tests meist überflüssig machen. Die Ministerpräsidentenkonferenz forderte den Bund am Freitag per Beschluss auf, kurzfristig zu prüfen, wie die Fälschung von Impf-, Genesenen- und Testbescheinigungen lückenlos und angemessen bestraft werden kann.

Immer mehr Impfpass-Fälschungen auch in Thüringen

Auch in Thüringen nimmt die Zahl gefälschter Impfpässe zwei Wochen nach dem Ende der kostenlosen Corona-Tests weiter zu. Mittlerweile sei man bei mehr als 50 konkreten Verdachtsmeldungen angelangt, sagte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen (KVT). Der Großteil davon sei bei Apotheken aufgefallen, als Menschen versucht hätten, mit einem gefälschten Impfpass ein digitales Impfzertifikat zu erhalten. Man werde alle Fälle zur Anzeige bringen, sagte die Sprecherin.

Laut dem Pandemie-Stabsleiter Jörg Metz war man eigentlich von einem Anstieg der Impfzahlen ausgegangen. Stattdessen habe überraschenderweise die Zahl der gefälschten Impfpässe exponentiell zugenommen. Zu Testzahlen seit Ende der kostenlosen Tests konnte die KVT jüngst keine Aussage machen.

„Fälle scheinen sich zu häufen“

Die Fälle, dass Menschen versuchten, in Apotheken im Südwesten sich ohne Impfung digitale Corona-Impfzertifikate zu erschleichen, „scheinen sich zu häufen“, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Landesapothekerverbands (LAV), Frank Eickmann, in Stuttgart. „So spiegelt uns das auch die Polizei.“ Nach Angaben des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg liegt die Zahl der gemeldeten Fälle derzeit „im unteren dreistelligen Bereich“. Ob die Zahlen zuletzt gestiegen oder gefallen seien, lasse sich wegen der geringen Werte aktuell nicht sicher sagen. „Es wird dabei aber eine gewisse Dunkelziffer geben“, sagte LAV-Sprecher Eickmann. „Es gibt in solchen Fällen keine Meldepflicht für Apotheken.“

Das Hauptproblem bei der Ausstellung von digitalen Impfzertifikaten sei, dass Impfausweise nicht fälschungssicher sind. „Es gibt keine Sicherheitsmerkmale wie ein Wasserzeichen“, sagte Eickmann. Außerdem würden die Daten nicht aktualisiert: Wenn jemand heirate oder umziehe, könnten sich die Angaben auf dem Impfbuch von denen auf dem ebenfalls vorzuzeigenden Personalausweis unterscheiden.

„Was bleibt, ist, dass die Apotheken nach bestem Wissen und Gewissen prüfen“, sagte Eickmann. Dabei würden Stempel von Hausarztpraxen genau so unter die Lupe genommen wie Chargen-Nummern der Impfstoffe. „Es ist auch nicht ganz selten, dass in Impfausweisen kein einziger Eintrag außer zwei Corona-Impfungen enthalten ist“, sagte Eickmann. Dann werde das Dokument ebenfalls genauer geprüft. „Am Ende haben wir aber keine endgültige Fälschungssicherheit“, sagte Eickmann. (dpa)

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