Für ein besseres Statistikverständnis

Schweizer Ärzte fordern Datenkompetenz-Kampagne

Schweizer Ärzteverbände fordern die Regierung in Bern auf, eine Kampagne zu lancieren, um die Datenkompetenz der Eidgenossen zu stärken. Sie solle auch Grundpfeiler einer neuen nationalen Datenkultur werden, so die Mediziner.

Von Matthias WallenfelsMatthias Wallenfels Veröffentlicht: 23.07.2020, 14:49 Uhr
Falschnachrichten boomen gerade zu Pandemiezeiten. Mit einer guten Datenkompetenz könnten viele Leser den Humbug oftmals sofort entlarven.

Falschnachrichten boomen gerade zu Pandemiezeiten. Mit einer guten Datenkompetenz könnten viele Leser den Humbug oftmals sofort entlarven.

© Alexander / stock.adobe.com

Chur. In der gegenwärtigen Coronavirus-Pandemie haben nicht nur Verschwörungstheoretiker Konjunktur, sondern auch Fake News. Besonders die Falschnachrichten lassen sich leicht mit angeblichen statistischen Beweisen unterfüttern – aus Mangel an Datenkompetenz der Rezipienten.

Um dem entgegenzusteuern und somit in der Schweiz „einen verantwortungsbewussten, kritischen, ethischen und nachhaltigen Umgang mit Daten zukünftig sicherstellen zu können“, fordern Ärzte, aber auch Informatiker unter Federführung der Konferenz der Kantonalen Ärztegesellschaften (KKA) die Schweizer Bundesregierung auf, eine Informationskampagne zur Datenkompetenz (Data Literacy) zu starten. Unterzeichnet haben den Appell übrigens auch Datenexperten aus Deutschland.

Finanzielle Förderung und Experten gefragt

„Die Befähigung der Bürgerinnen und Bürger zu einem kompetenten Umgang mit Daten ist unverzichtbar für die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen aber auch für ihre informierte und mündige Mitsprache in unserer demokratischen Gesellschaft“, heißt es in dem gemeinsamen Appell mahnend.

Es gehe darum, die Corona-Krise als Chance zu nutzen und „eine flächendeckende, fachlich kompetent geführte nationale Datenkompetenz-Kampagne einzuleiten – die politisch getragen und mit internationalen Kampagnen koordiniert werden sollte. Dafür müssen adäquate finanzielle und logistische Mittel zur Verfügung gestellt werden“, heißt es in dem Appell weiter.

Und wird mit dem Hinweis ergänzt, das diesbezüglich eine enge Zusammenarbeit zwischen kompetenten Statistikern, Datenschützern, Datenethikern, Erziehungswissenschaftlern/Pädagogen sowie Fachleuten der betroffenen Domänen gefördert werden müsse.

Das Fernziel der KKA & CO: „Diese zu lancierende Datenkompetenz-Kampagne soll Grundpfeiler einer nationalen Datenkultur werden.“

Drei Grundpfeiler der Kampagne

Laut Appell solle die nationale Kampagne zur Stärkung der Datenkompetenz drei Grundpfeiler haben:

Ein Teil der öffentlichen Gelder, die für die Medienunterstützung zur Verfügung gestellt werden, solle an die Auflage gebunden werden, an der Datenkompetenz-Kampagne mitzuwirken, beispielsweise durch Übermittlung einfacher Basis-Konzepte für das statistische und allgemeine Datenverständnis der Bevölkerung oder durch kritische Reflexion datenjournalistischer Beiträge. Ein entsprechender Minimalauftrag müsse definiert werden.

Das lebenslange Datenlernen solle bereits im Kindergarten starten. „Budgets und Finanzierungsquellen müssen für die Erstellung und Bereitstellung des Ausbildungsmaterials gesprochen und ausgewiesene Experten für die Validierung der Schulungsmaterialien beauftragt werden“, heißt es im Appell.

Diese sollen eine frühzeitige Vermittlung und Einhaltung guter Praktiken der Datensammlung, Datenauswertung und Rezeption gewährleisten. Eine Datenkompetenzschulung („Data Literacy Education“) sollte an allen Schweizer Hochschulen verpflichtend sein, um eine praxisnahe Ausbildung im Bereich der Statistik und der Datenwissenschaft unter Berücksichtigung datenethischer Fragen zu etablieren, lautet eine weitere Forderung.

„Dies soll dezentral in Zusammenarbeit mit bestehenden Stellen und Initiativen und (inter-)national anerkannten Experten geschehen. Ein entsprechender Zertifizierungs- und Qualitätssicherungsprozess ist zu definieren“, so die KKA.

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