Software soll vor Diabetes-Folgen schützen

Eine neue Online-Software soll Ärzten helfen, die Daten von Patienten mit diabetischem Fuß-Syndrom schneller auszuwerten - und so die Zahl der Amputationen zu reduzieren. Unter den Entwicklern sind auch Mediziner.

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DORTMUND (acg). Das Kölner Centrum für Integrierte Diabetesforschung (CID) und das Dortmunder Fraunhofer-Institut für Software und Systemtechnik (ISST) haben eine neues telemedizinisches Projekt zur Versorgung von Diabetes-Patienten gestartet.

Mit einer besonderen Software sollen es Mediziner künftig leichter haben, das diabetische Fuß-Syndrom bei Patienten zu dokumentieren und sich in schwierigen Fällen von Kollegen Rat zu holen.

Dokumentation ist wichtig für Qualitätssicherung

"Dokumentation ist ein wichtiger Aspekt in der Qualitätssicherung der Versorgung, auch für die Krankenkassen", sagt Dr. Oliver Koch, Abteilungsleiter des Bereichs Business Communication Management am ISST. "Das Ziel soll sein, die Behandlungszeiten zu verkürzen und Therapieerfolge durch eine Minimierung der Amputationen transparent zu machen."

Das Programm ist noch in der Testphase. Initiiert haben es der Kölner Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe Dr. Dirk Hochlenert und sein Kollege, der Chirurg Dr. Gerald Engels. Beide gehören dem CID an.

Bisher stellte das CID beteiligten Ärzten und Einrichtungen eine Offline-Dokumentationssoftware zur Verfügung, mit denen sie zur Qualitätssicherung einmal im Quartal Daten an das Zentrum schicken konnten. Künftig soll es möglich werden, die Daten zu Wundverlauf, Ursachen und Größe der Wunde anonymisiert über eine spezielle Software einzugeben und online an das CID weiterzuleiten.

CID wertet die Daten aus

Dafür bekommt der Arzt ein Login, ein Passwort sowie ein Zertifikat, das ihn dazu berechtigt, auf die Daten zuzugreifen. Nötig ist nur eine Internetanbindung der Praxis, idealerweise ein DSL-Anschluss, der das schnelle Hochladen von Bildern ermöglicht.

"Das hat den Vorteil, dass Ärzte und Krankenhäuser genau prüfen können, wie die Versorgung ihrer Patienten aussieht", sagt Hochlenert. "Sie können etwa feststellen, ob sie im Vergleich zu anderen Einrichtungen besonders viele Dialysepatienten und Patienten in Altersheimen haben." Das CID wertet die Daten aus und kann so Behandlungserfolge und -probleme transparent machen.

"Ärzte mit besonders hohen Amputationsraten werden angesprochen und können auch an Schulungen teilnehmen", sagt Koch vom ISST.

Weiterer Zweck des Projekts ist es, dass sich Mediziner in virtuellen Sitzungen am Bildschirm über Fälle austauschen und Erfahrungen teilen können. Derzeit nehmen um die 85 medizinische Einrichtungen in Nordrhein, Hamburg und Berlin an dem Projekt teil. Hochlenert hofft, dass sich nach der Umstellung auf die Online-Version noch mehr Kollegen für eine Teilnahme entscheiden.

Für jedes Projekt eine neue Software - teuer und aufwändig

Die Kosten für das neue Programm sind abhängig von der Benutzergruppe, etwa ob ein Arzt schon vorher am Projekt beteiligt war oder nicht. Interessierte können beim CID nachfragen (http://cid-direct.de).

Das ISST arbeitet zudem an einem neuen Angebot, mit dem telemedizinische Dienste nach dem Baukastenprinzip und je nach Bedarf des jeweiligen Netzwerkes zusammengestellt werden können. "Einer der Gründe, warum telemedizinische Pilotprojekte immer wieder nach einigen Jahren scheitern, ist, dass für jedes Projekt eine neue Software entwickelt wird", sagt Koch.

"In den vergangenen Jahren sind unzählige isolierte Einzelanwendungen entstanden, die nicht interoperabel sind." Das ist teuer und aufwändig.

Diesen Aufwand wollen die Experten in Dortmund verringern und deshalb bald einzelne Dienste anbieten, wie eine Tagebuchfunktion für adipöse Patienten, mit der Betroffene ihr Essverhalten dokumentieren können. Das Projekt wird vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union gefördert. Partner sind unter anderem die Gelderland-Klinik in Geldern und die Augusta-Krankenanstalt in Bochum.

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