Krebsdiagnostik

Sollte die Heidelberger „Weltsensation“ nur Investoren ködern?

Wenig Neues in der „Causa Bluttest“ am Heidelberger Uniklinikum. Die externe Kommission bestätigt: Wissenschaftler und Klinikvorstand müssen sich an die eigene Nase fassen.

Von Christoph WinnatChristoph Winnat Veröffentlicht:
Dr. Christine Hohmann-Dennhardt berichtet von den Erkenntnissen der externen Untersuchungskommission, der sie vorsitzt.

Dr. Christine Hohmann-Dennhardt berichtet von den Erkenntnissen der externen Untersuchungskommission, der sie vorsitzt.

© Uli Deck/ picture alliance/ dpa

HEIDELBERG. Am Dienstag ließ der Aufsichtsrat des Heidelberger Universitätsklinikums wissen, was auch zuvor schon bekannt war: Der „international hervorragende Ruf“ der Heidelberger Universitätsmedizin habe „durch den voreilig angekündigten Bluttest auf der Basis noch nicht tragfähiger Forschungsergebnisse Schaden genommen“.

Die siebenköpfige externe Kommission, die unter Leitung der ehemaligen Verfassungsrichterin Dr. Christine Hohmann-Dennhardt klären soll, wie es im Februar dieses Jahres zu der marktschreierischen PR-Kampagne – „BILD“ titelte „Weltsensation“ – um eine neue Brustkrebsfrüherkennung kommen konnte, habe jetzt erste Zwischenergebnisse vorgelegt.

Danach hätten, heißt es in gewundener Aufsichtsratsformulierung, sowohl die „wissenschaftlich Verantwortlichen“ als auch sämtliche der mit dem Vorgang „befassten Vorstandsmitglieder“ des Klinikums „einen hinreichenden Kenntnis- und Informationsstand“ gehabt, „um die Problematik in Bezug auf die Veröffentlichung des Bluttests erkennen und einschätzen zu können“.

Eine Verkettung misslicher Umstände?

Warum ihnen dies offenkundig dennoch nicht gelang, verrät der Aufsichtsrat in seiner Wiedergabe der Kommissionsbefunde nicht, vielmehr stellt er die ganze Angelegenheit als Verkettung misslicher Umstände dar, begründet nicht zuletzt in Hierarchie-Dickicht und Personalquerelen.

Für die Kommission sei insbesondere „schwer nachvollziehbar“, dass nach einer ihrer Einschätzung nach übereilten Kündigung einer Projektleiterin – mit der dabei zudem noch „fragwürdig“ umgegangen worden sei –, die Investorensuche für das Projekt von der universitären Technologietransfergesellschaft „in großer Eile vorangetrieben“ wurde, heißt es.

Die externe Kommission wird sich in einem zweiten Schritt mit Empfehlungen zu Strukturen und Standards im Bereich Technologietransfer befassen.

Universitätsklinikum Heidelberg, Mitteilung des Aufsichtsrates

Unterdessen seien die vorliegenden Forschungsergebnisse „nicht gegengeprüft“ worden und der bevorzugte Investor habe „keine Erfahrung im Bereich Lebenswissenschaften“ mitgebracht.

Sollte also schlussendlich nur mit vollmundigen Versprechungen Finanzkraft geködert werden? Soweit will der Aufsichtsrat nicht gehen. Doch: „Die Vorstellung der Bluttests erfolgte zu früh – es gab keine hinreichende Anzahl untersuchter Proben, keine abgeschlossene klinische Studie, keine einschlägige Publikation in einem Fachjournal. Die Angaben zur Markteinführung des Tests 2019 waren nicht realistisch“.

Der Aufsichtsrat will die seiner Ansicht nach „neuen Erkenntnisse“ nun „umgehend beraten und Schlussfolgerungen ziehen“. Als nächstes werde sich die externe Kommission „mit Empfehlungen zu Strukturen und Standards im Bereich Technologietransfer befassen“. (cw)

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