Kommentar

Start-up-Mentalität vs. SGB V

Von Denis NößlerDenis Nößler Veröffentlicht:

Kanzleramtsminister Helge Braun fordert vom Staat mehr Start-up-Mentalität. Warum? Weil staatliche Digitalprojekte zu groß und langwierig sind. Als prominentes Beispiel nennt er die elektronische Gesundheitskarte. Sein Rezept: „Solche Mammutprojekte in kleinere Felder unterteilen“.

Braun, der vor seiner politischen Karriere Anästhesist war, dürfte allerdings wissen, dass gerade das bei der eGK und ihren Anwendungen gemacht wurde und wird. Nur wirklich beschleunigt hat das diese Mammutprojekte nicht.

Die Probleme scheinen eher andere zu sein: etwa die Verträglichkeit einer Start-up-Mentalität mit dem Sozialgesetzbuch V. Tech-Giganten wie Facebook sind auch deswegen groß geworden, weil sie sich im Internet bewegen, einer Sphäre, die nach wie vor als unregulierbar gilt, für manche gar ein rechtsfreier Raum.

Würden Ärzte, Kliniken und Krankenkassen ebenso handeln, wäre ihre digitale Innovationskraft wohl ungleich größer als heute. Nur zu welchem Preis?

Bei allem Hype um die Chancen sollte man auch im Kanzleramt nicht vergessen, dass Digitalisierung kein Wert an sich ist, schon gar nicht im Gesundheitswesen. Hier geht es nicht ums Posten vom Frühstücksbrötchen, sondern um die Gesundheit von vielen Millionen Bundesbürgern.

Lesen Sie dazu auch: Kanzleramtsminister Braun: Staatliche Digitalprojekte dauern zu lange

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