Kaiserschnitte

Teure Notfall- Operationen nehmen zu

Kliniken können seit 2009 für Notfall-Kaiserschnitte ein höheren Preis abrechnen. Seither ist laut TK auch die Zahl der Geburten per Op gestiegen.

Veröffentlicht: 08.03.2016, 05:51 Uhr
Teure Notfall- Operationen nehmen zu

Die Zahl der Kaiserschnitte ist rasant gestiegen.

© Martin Valigursky / iStock / Thinkstock

BERLIN/HAMBURG. Die Krankenhäuser rechnen Kaiserschnitt-Geburten immer häufiger als teure Notfall-Operationen (Op) ab - günstigere geplante Eingriffe werden dagegen seltener.

Das zeigt eine Auswertung von Routinedaten der Techniker Krankenkasse (TK). 2005 bis 2008 hätten sich ungeplante und geplante Op bei Kaiserschnitt-Geburten durchgängig die Waage gehalten.

TK vermutet "wirtschaftlichen Anreiz"

2009 öffnete sich nach dieser Auswertung die Schere - genau zu dem Zeitpunkt, als bekannt wurde, dass Kliniken für einen Notfall-Kaiserschnitt einen höheren Preis abrechnen können als für einen geplanten Kaiserschnitt. 2014 lag demnach das Verhältnis von ungeplanten zu geplanten Kaiserschnitt-Op bereits bei 56 zu 44 Prozent.

 "Hier ist der wirtschaftliche Anreiz offenbar ausschlaggebend", erklärte Frank Verheyen, Direktor des Wissenschaftlichen Instituts für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen der TK (WINEG).

Eine durchschnittliche, ungeplante Kaiserschnitt-Geburt kann aktuell mit fast 3400 Euro abgerechnet werden, eine vergleichbare geplante OP dagegen mit knapp 2700 Euro. Vor der Neuregelung hatten die gesetzlichen Krankenkassen einen Kaiserschnitt einheitlich vergütet.

Ärzte betonen "medizinische Notwendigkeit"

Während die TK ausschließlich wirtschaftliche Gründe für diese Entwicklung vermutet, sehen Ärzte auch medizinische Gründe als Ursache.

Der Chefarzt der Frauenklinik des Bethesda-Krankenhauses Hamburg-Bergedorf, Martin Neuß, äußerte sich, geplante Kaiserschnitt-Geburten würden heutzutage häufiger erst für die 40. Schwangerschaftswoche anvisiert, weil dieser späte Zeitpunkt nach neueren Erkenntnissen besser für das Kind sei.

Damit steige aber auch die Wahrscheinlichkeit, dass es vorher noch zu einer ungeplanten Geburt kommt: "Es ist doch klar, dass dann Frauen häufiger ungeplant mit Blasensprung oder Wehenbeginn nachts oder am Wochenende, auf jeden Fall aber ungeplant kommen", erläuterte er.

 "Natürlich verursacht eine ungeplante Operation in der Nacht oder am Wochenende oder irgendwie im Plan eingeschoben deutliche Mehrkosten."Dagegen sagte Verheyen: "Im Zuge unserer Untersuchung konnten keine weiteren Faktoren identifiziert werden, die den Anstieg bei ungeplanten Kaiserschnitten begründen."

Verschiebung wegen Vergütungsumstellung?

Der TK und damit letztlich der Versichertengemeinschaft seien durch die Verschiebung hin zu mehr ungeplanten Geburten auf dem OP-Tisch seit der Vergütungsumstellung Mehrkosten in Höhe von knapp 3,7 Millionen Euro entstanden.

Hochgerechnet auf die gesetzliche Krankenversicherung liegen die Zusatzausgaben für den Zeitraum 2010 bis 2014 bei 31,5 Millionen Euro.Insgesamt sei in Deutschland die Kaiserschnittrate seit der Jahrtausendwende rasant gestiegen und hat sich mittlerweile auf hohem Niveau eingependelt.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Kaiserschnittrate 2014 bundesweit bei rund 31,8 Prozent, 2000 waren es noch 21,5 Prozent. Dieser Trend zeige sich auch bei der TK: In den Vorjahren wurden mehr als 30 Prozent aller TK-versicherten Neugeborenen per Kaiserschnitt entbunden. (dpa)

Mehr zum Thema

Marburger Bund

Mehr Personal im ÖGD für Corona-Testungen nötig

Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl

Der Tag hat nun mal 24 Stunden (+Wochenende)

Das ist also eher eine gute Nachricht für Mutter und Kind.


Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
Für jeden Diabetiker das passende CGM-Gerät

Blutzuckermessung

Für jeden Diabetiker das passende CGM-Gerät

So klappt Substitutionstherapie in Corona-Zeiten

Arztpraxis berichtet

So klappt Substitutionstherapie in Corona-Zeiten

Aufklärung über Abrechnungs-Sonderregeln wegen Corona

Leser fragen - Experten antworten

Aufklärung über Abrechnungs-Sonderregeln wegen Corona

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden