Hirnschädigungen bei Kindern?

Umstrittenes Organophosphat vor dem Aus

Alles deutet darauf hin, dass die EU-Zulassung für das Insektengift Chlorpyrifos nicht verlängert wird. Am vergangenen Freitag hat die EU nun das Verbot bestätigt.

Veröffentlicht: 02.12.2019, 15:25 Uhr | aktualisiert: 09.12.2019, 14:51 Uhr

Brüssel. Einem der umstrittensten Pestizide droht jetzt das Aus in der EU. Am vergangenen Freitag hat die EU nun das Verbot bestätigt. Die EU-Zulassung des insbesondere im Zitrusanbau häufig eingesetzten Insektenvernichters endet am 31. Januar kommenden Jahres.

Für den Antrag der Hersteller auf Zulassungsverlängerung sieht es schlecht aus, seit unlängst die europäische Lebensmittelüberwachung Efsa wissen ließ, dass ein Peer-Review-Verfahren „Bedenken hinsichtlich möglicher genotoxischer sowie neurologischer Auswirkungen“ bei Kindern untermauert habe. In dem kurze Zeit später veröffentlichten Abschlussbericht resümiert die Efsa, das Insektizid hätte angesichts neuester Sicherheits-Erkenntnisse eigentlich nie in der EU zugelassen werden dürfen. Dem BR-Bericht zufolge wollen sich die meisten EU-Mitglieder, darunter auch Deutschland, für ein Verbot aussprechen. Mit Widerstand werde hingegen seitens der „Zitrus-Staaten“ Spanien, Griechenland, Italien und Portugal gerechnet.

Chlorpyrifos wurde 2005 in der EU zugelassen; in Deutschland wurde die Verkehrsfähigkeit bereits 2008 wieder zurückgenommen. Expositionen sind allerdings durch belastete Importfrüchte weiterhin möglich. Entwickelt hatte das Mittel in den 1960er Jahren das US-Unternehmen Dow Chemical. Hinweise auf hirnschädigende Effekte sollen bereits in früheren Zulassungsunterlagen zu finden sein, ohne dass dies in den Studien ausdrücklich hervorgehoben worden wäre. 2012 veröffentlichte eine kalifornische Forschergruppe eine Untersuchung zu pränatalen Hirnschädigungen durch Chlorpyrifos, wobei deutlich geworden sei, dass auch schon bis dato als unbedenklich eingestufte Mengen toxische Effekte zeitigten. Die EU-Behörde Efsa befand zuletzt, „dass für den Stoff keine sichere Expositionshöchstgrenze – bzw. kein toxikologischer Referenzwert – festgelegt werden kann“.

Von Herstellerseite wurde und wird ein Risiko durch Chlorpyrifos jedoch bestritten. Für entsprechende Behauptungen gebe es keine wissenschaftlichen Beweise, heißt es. (cw)

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