Milliarden für Digital Health

Virtuelle Sprechstunden überzeugen Frühfinanzierer

Am höchsten in der Gunst privater Risikokapitalgeber standen 2018 im Digital-Health-Sektor noch App-Entwickler. Voriges Jahr bekamen Anbieter virtueller Sprechstunden das meiste Geld.

Von Christoph Winnat Veröffentlicht: 14.01.2020, 17:24 Uhr
Virtuelle Sprechstunden überzeugen Frühfinanzierer

Apps - auch für die Gesundheit: Offenbar ein interessantes Ziel für Venture-Capital-Geber.

© wasin / stock.adobe.com

Austin. Die Ausstattung der aufstrebenden Digital-Health-Branche mit Risikokapital (VC) ist im vergangenen Jahr leicht ins Stocken geraten.

Mit weltweit 8,9 Milliarden Dollar (acht Milliarden Euro) in 615 Einwerbungsrunden ist die Frühfinanzierung der Start ups um sechs Prozent niedriger ausgefallen als im bisherigen Rekordjahr 2018 – aber immer noch deutlich höher als in den Jahren davor (siehe nachfolgende Grafik). Das meldet der US-Marktforscher Mercom Capital.

Einschließlich Schuldenaufnahme sowie Börsengängen und Kapitalerhöhungen hätten Firmen der Digital-Health-Branche 2019 runde zehn Milliarden Dollar frisches Geld erhalten.

Die Börse spielt bei der Start-up-Finanzierung in der Digital-Health-Branche demnach noch immer eine nur untergeordnete Rolle.

In zehn Jahren 58 Milliarden

Etwa zwei Drittel des Investments gingen den Angaben zufolge an US-Unternehmen (5,9 Milliarden Dollar, minus 16 Prozent). Nach Nationalität mit weitem Abstand zweitgrößter Empfänger waren britische Firmen, denen 853 Millionen Dollar zuflossen.

An dritter Stelle rangieren Entwickler aus China (663 Millionen Dollar) vor französischen Unternehmen (372 Millionen Dollar). Deutsche Unternehmen werden in dem Bericht nicht erwähnt.

Seit 2010 sei die Branche mit rund 44 Milliarden Dollar Fremdkapital ausgestattet worden, heißt es, während sich das Gesamtinvestment in den Digital-Health-Sektor (also einschließlich Börsengängen und Kapitalerhöhungen) in derselben Zeit auf 58 Milliarden Dollar summiert habe.

Telemed-Anbieter 2019 vorn

Anbieter telemedizinischer Digitalanwendungen erhielten 2019 mit insgesamt 1,8 Milliarden Dollar das meiste Risikokapital.

Unternehmen, die sich auf Datenauswertung spezialisiert haben, rangierten mit 1,6 Milliarden Dollar Mittelzufluss an zweiter Stelle des Investoreninteresses (siehe nachfolgende Grafik).

Entwickler von Gesundheits-Apps – im Vorjahr noch Gruppensieger bei den VC-Runden – bekamen insgesamt rund 1,2 Milliarden Dollar. Dahinter: Anbieter digitaler klinischer Entscheidungssysteme (748 Millionen Dollar), kabelloser Mobilverbindungen (556 Millionen Dollar) sowie digitaler Terminbuchungs-Systeme (537 Millionen).

Babylon sahnt am meisten ab

Die voriges Jahr größte private Finanzierungsrunde hat laut Marktforscher Mercom mit rund 550 Millionen Dollar der britische Anbieter virtueller Sprechstunden, Babylon Health, absolviert.

Etliche Venture Funds wie auch der Mutterkonzern Tencent zeigten sich von dem chinesischen Ärztenetzwerk Tencent Trusted Doctors überzeugt, und spendierten 250 Millionen Dollar zwecks Ausbau der medizinischen Online-Angebote.

Nach eigenen Angaben bietet Tencent Trusted Doctors aktuell rund zehn Millionen Patienten die Möglichkeit, online mit Ärzten zu kommunizieren. Dem Netzwerk gehören demzufolge 440.000 Ärzte an, die in über 30.000 chinesischen Kliniken arbeiten.

Auf den weiteren Plätzen unter den ganz großen VC-Empfänger der Digital-Health-Branche 2019 folgen mit jeweils rund 200 Millionen Dollar die kalifornische Gesundheits-Community Collective Health (internetbasiertes Versorgungsmanagement), die New Yorker Versandapotheke Capsule Corporation (Bestellung per App, Auslieferung binnen zweier Stunden) sowie der in Chicago ansässige Big-Data-Vermarkter Tempus Labs Incorporation.

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