Bündnis Junge Ärzte reagiert

Wegen Corona-Pandemie: Auch Facharztprüfung gefährdet?

Das Bündnis Junge Ärzte (BJÄ) zeigt sich solidarisch mit den Medizinstudenten: Das anstehende schriftliche Examen dürfe nicht verschoben werden. Aber auch für die Facharztprüfungen müssten faire Verfahren her, damit etwa die Praxisnachfolge nicht gefährdet wird.

Von Rebekka Höhl Veröffentlicht: 23.03.2020, 14:48 Uhr
Wegen Corona-Pandemie: Auch Facharztprüfung gefährdet?

Die Corona-Pandemie könnte dafür sorgen, dass junge Haus- und Fachärzte später in die Praxen kommen.

© Hybrid Images / Getty images / iStock

Neu-Isenburg. Die Ankündigung, dass das für April angesetzte große schriftliche Staatsexamen (M2) verschoben werden könnte, hat Ende vergangener Woche unter Medizinstudenten für Empörung gesorgt. Nun kommt Unterstützung vom Bündnis Junge Ärzte (BJÄ): „Für das BJÄ ist eine Absage der ärztlichen Prüfung nicht nur Ausdruck zu geringer Wertschätzung gegenüber den Strapazen der Prüflinge, sondern auch ein inakzeptables Missverständnis der Bedeutung der Arbeitskraft der Studenten im letzten Jahr vor der ärztlichen Approbation“ erklärt BJÄ-Sprecher Max Tischler.

Die COVID-19-Pandemie werde in den kommenden Monaten zu einer großen Belastungsprobe für die Krankenhäuser. Dies betreffe knappe Ressourcen wie Intensivbetten oder Beatmungsgeräte, aber vor allem die Menschen, die sich in Zeiten latenten Mangels an medizinischem Personal, um COVID-19-Patienten kümmern, heißt es in einer Stellungnahme des BJÄ.

Die Räumlichkeiten für Staatsexamina wären da

Am Freitag hatten der Medizinische Fakultätentag (MFT) und das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) offiziell bekannt gegeben, dass sie – nach sorgfältiger Abwägung der Optionen, wie etwa der Prüfung in kleineren Gruppen – den Landesprüfungsämtern und Ministerien empfohlen haben, das Staatsexamen M2 um ein Jahr nach hinten zu verschieben. Laut Tischler wären Räumlichkeiten für eine Prüfung unter den besonderen Covid-19-Bedingungen en masse da.

„Normalerweise sitzen 30 bis 100 Studenten in so einer Prüfung und werden von drei, vier Personen betreut“, erklärt er. Oft fänden die Prüfungen in Sport- oder Mehrzweckhallen statt. Wenn man nun die Prüflinge, die sonst in einer Halle sitzen auf vier große Räumlichkeiten mit maximal 50 Studenten verteilen würde, könne man einen Mindestabstand von vier Metern zwischen den Prüflingen leicht einhalten, so seine Einschätzung.

„Fatalistischer Lösungsansatz“

Das Gesundheitswesen brauche gerade jetzt motivierte Mitarbeiter, dazu gehörten auch die Jungmediziner. Mit einer Verschiebung des Examens pflege man die Motivation, die die Studenten ja schon an den Tag legten, allerdings nicht, moniert das Bündnis, das Nachwuchsmediziner aus 22 Verbänden und Fachgesellschaften vereint.

„Wir können das Leben jetzt nicht für die nächsten drei Monate einstellen“, sagt Tischler. „Eine so kurzfristige Verschiebung der Prüfung ist für uns junge Ärzte ein zu simpler, fatalistischer Lösungsansatz ohne Interessensausgleich, ohne Fingerspitzengefühl und Weitsicht für ein Gesundheitssystem, das bereits im Normalzustand unter einem Personalengpass leidet“, bestätigt auch Mira Faßbach, die gemeinsam mit Max Tischler im BJÄ die Sprecher-Funktion innehat.

Facharztprüfung: Kulanz von KVen und Kliniken gefragt

Flexible Lösungen braucht es laut Tischler in den nächsten Wochen und Monaten aber auch für die Facharztprüfungen. Diese sollten ebenfalls nicht verschoben werden, zumindest nicht um Monate.

Zudem sollten sich KVen und Kliniken kulant zeigen, falls die Ärzte in Weiterbildung (AiW) ihre Prüfungen nicht wie geplant ablegen könnten. Ein Arzt, der eine Praxis übernehme oder in einer Gemeinschaftspraxis die Nachfolge eines Sitzinhabers antrete, müsse innerhalb von drei Monaten nach Kauf den Kassenarztsitz tatsächlich besetzen, erläutert Tischler. Sonst gehe dieser verloren. „Hier lautet die Frage: Wie kulant ist die KV?“

Ähnliches gelte für die Arbeitsverträge der Assistenzärzte in den Kliniken. Ende März haben die Assistenzärzte laut Tischler ihre volle Weiterbildung absolviert, damit endeten automatisch auch die Arbeitsverträge.

Normalerweise nutzten die Weiterbildungsassistenten die anschließenden zwei, drei, vier freien Wochen, um sich auf ihre Prüfung vorzubereiten. Doch würden die Prüfungen weiter nach hinten verschoben, müssten hier neue Verträge aufgesetzt werden, wolle man die Arbeitskraft dieser Mediziner nicht einfach brach liegen lassen. „Das darf kein Assistenzvertrag mehr sein“, so Tischler.

Kurse nicht ersatzlos streichen

Probleme bereite zudem die derzeitige Absage von Kursen und Kongressen. Hier müssten die Weiterbildungsassistenten, die durchaus wegen des Personalbedarfs auch beispielsweise ohne den Intensivmedizinkurs auf der Intensivstation eingesetzt werden könnten, diesen später nachholen können. Das gleiche gelte etwa für Sonografiekurse.

Ob die COVID-19-Pandemie größere Auswirkungen auf die Bausteine und Inhalte der Weiterbildung haben wird, ist laut Tischler noch nicht abzuschätzen. „Hier müssen wir schauen, wie sich das entwickelt“, räumt er ein.

Zwar würde beispielsweise gerade die Zahl der Operationen auf das Notwendige reduziert, was natürlich eine Einschränkung in der Weiterbildung bedeute, aber hier komme es nun auf die nächsten Monate an, so Tischler. Mehr Sorgen bereiten ihm da die Zusatzweiterbildungen, die nur über wenige Monate gehen.

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