Otitis externa

Wenn sich pathogene Erreger im Gehörgang breit machen

Veröffentlicht: 15.06.2011, 05:00 Uhr

Die Otitis externa tritt bei jedem zehnten Menschen im Laufe seines Lebens auf. Am häufigsten sind Frauen zwischen 45 und 54 Jahren, Männer zwischen 65 und 74 Jahren und Kinder zwischen 7 und 12 Jahren betroffen. Die Infektionen können durch Bakterien, Pilze oder Viren verursacht werden. Auch Ekzeme manifestieren sich im Bereich der Ohren. Die Erkrankung äußert sich als Otitis externa diffusa, als Otitis externa necroticans oder als Otitis externa circumscripta.

Eine Patientin mit Otitis externa - die Entzündung hat auf angrenzende Hautbezirke übergegriffen.

Eine Patientin mit Otitis externa - die Entzündung hat auf angrenzende Hautbezirke übergegriffen.

© PD Andreas Neher, Innsbruck

Otitis externa diffusa:

Die Therapie basiert auf einer gründlichen Ohrreinigung mit einem Ohrsauger, lokalen Antiseptika und topischen Antibiotika sowie Analgetika. Antiseptische Mittel wirken breit, enthalten aber häufig Alkohol und verursachen brennende Schmerzen. Eine vielversprechende Alternative sind wasserlösliche körpereigene Substanzen wie N-Chlortaurin.

Durch Präparate mit Kortikoid-Zusatz schwillt der Gehörgang schneller ab. Kortikoide wirken zudem antibakteriell und -fungal. Bei schwerer Otitis externa mit geröteter Haut im Bereich der Ohrmuschel sind zusätzlich orale Antibiotika indiziert. Sie sollten auch eingenommen werden, wenn sich die Symptome durch die topische Therapie nicht bessern. Mittel der Wahl sind in der Regel Chinolone. Der Erreger sollte mit einem Antibiogramm nachgewiesen werden.

Schwimmen in ungechlorten Pools oder in Seen ist nicht ohne - hier können sich pathogene Bakterien tummeln, die Gehörgangsentzündungen auslösen.

Schwimmen in ungechlorten Pools oder in Seen ist nicht ohne - hier können sich pathogene Bakterien tummeln, die Gehörgangsentzündungen auslösen.

© Hastra / fotolia.de

Otitis externa necroticans: Diese Form entsteht aus einer Otitis externa diffusa bei Infektion mit Pseudomonas aeruginosa. Betroffen sind vor allem ältere Diabetiker, auch immunsupprimierte Patienten sind gefährdet. Die Erkrankung ist auch heute noch potenziell lebensgefährlich. Die Schmerzen sind zunächst nur leicht, nehmen aber im Verlauf meist stark zu.

Der Gehörgang wird regelmäßig gereinigt. Granulationen und Knochennekrosen müssen entfernt werden. Die Antibiose erfolgt systemisch (Ciprofloxacin in hoher Dosierung) und lokal mit einem getränkten Gazestreifen, der in den Gehörgang gelegt wird. Ein Erregernachweis und Antibiogramm sollten erfolgen. Ein Diabetes mellitus muss möglichst gut eingestellt werden. Bei schweren Verlaufsformen kann eine hyperbare Sauerstofftherapie erwogen werden.

Otitis externa circumscripta: Dabei handelt es sich um eine umschriebene Infektion im Bereich des Gehörgangeingangs. Sie geht von einer Haarbalgentzündung aus. Primäre Erreger sind Staphylokokken. Bei leichteren Formen wird mit einer antiseptischen Substanz oder einer topischen Antibiotika-haltigen Salbe behandelt. Bei schwereren Formen können orale Antibiotika (Aminopenicilline plus β-Laktamase-Inhibitor, Cephalosporine) und Analgetika angezeigt sein.

Das Erysipel der Ohrmuschel wird durch Streptococcus pyogenes verursacht. Die Erreger dringen durch eine Hautläsion in die Lymphspalten und -gefäße der papillären Dermis ein. Die Eintrittspforte ist gerötet, geschwollen und schmerzhaft. Der Krankheitsausbruch verläuft akut. Therapiert wird mit Penicillin. (otc)

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Wenn üble Erreger den Gehörgang stürmen"

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