Remote Patient Monitoring

Zi-Studie: Digitale Monitoringsysteme bringen Praxen keine zeitliche Entlastung

RPM bringen Praxen bei der Behandlung keine zeitlichen Vorteile, wie eine Zi-Studie zeigt. Ärzte erkennen trotzdem Potenziale.

Von Margarethe UrbanekMargarethe Urbanek Veröffentlicht:
Viele Ärzte nutzen digitale Monitoringsysteme. Eine zeitliche Entlastung brigen diese Tools nicht. Das hat eine aktuelle Zi-Studie ergeben.

Viele Ärzte nutzen digitale Monitoringsysteme. Eine zeitliche Entlastung brigen diese Tools nicht. Das hat eine aktuelle Zi-Studie ergeben.

© BillionPhotos.com / stock.adobe.com

Berlin. Digitale Monitoringsysteme bieten Arztpraxen und Patienten die Möglichkeit, laufend Daten zum Krankheitsverlauf zu dokumentieren und einzusehen. Zeitliche Entlastung bringen sie den Praxen aber nicht. Zu dem Ergebnis kommt eine wissenschaftliche Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), die jetzt online im Preprint erschienen ist.

Im Fokus der Studie steht die Versorgung von Infektpatienten in der ambulanten Behandlung. Durchgeführt wurde die Studie zwischen Oktober 2020 und Mai 2021 – also unter den Eindrücken der Corona-Pandemie, in der die Betreuung von Infektpatienten eine besondere Herausforderung darstellte.

Mehr Arzt-Patienten-Kontakte

Ausgewertet wurden die Erfahrungen von insgesamt 51 Ärzten sowie 67 Patienten. Ziel war es, festzustellen, ob digitale Monitoringsysteme einen Effekt haben auf die Behandlung von Infektpatienten. In einer Fall-Kontroll-Studie wurde die digital unterstützte Behandlung mit der herkömmlichen Versorgung verglichen; ein Vergleich wurde auch zwischen zwei digitalen Monitoringsystemen gezogen.

Einen entscheidenden Vorteil aber hatten die Ärzte, die mit den digitalen Monitoringsystemen arbeiteten, nicht. Laut Zi-Vorstandsvorsitzendem Dr. Dominik von Stillfried konnten „keine Anhaltspunkte dafür gefunden werden, dass die Betreuung der Infektpatientinnen und -patienten durch digitales Monitoring effizienter wird“. Für die teilnehmenden Praxen stellt den Studienergebnissen zufolge die Handhabung und die Integration der Tools zum Remote Patient Monitoring (RPM) derzeit noch vor Herausforderungen. Außerdem führten die Systeme nach Aussage der Ärzte nicht zu weniger Anrufen von besorgten Patienten. Insgesamt sei der Beratungsbedarf höher gewesen. Damit habe sich auch die Anzahl an Kontakten zwischen Patienten und Ärzten erhöht.

Ärzte sehen Potenzial

Technische Hürden gab es auch seitens der Patienten: Die waren laut Studienergebnissen teilweise so groß, dass sie deswegen nicht an der digitalen Betreuung teilnehmen wollten. Nichtsdestotrotz bewerteten die teilnehmenden Ärzte die digitale Unterstützung überwiegend positiv; sahen das Potenzial die Betreuung – wo nötig – zu intensivieren. „Dies kann z. B. in einer Grippewelle oder langfristig im Bereich der chronischen Erkrankungen von Bedeutung sein“, so von Stillfried.“

Mehr zum Thema

Telemedizin

AOK Bayern reklamiert Wiederholungsrezept für sich

Das könnte Sie auch interessieren
Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

© [M] Scherer: Tabea Marten | Spöhrer: privat

„EvidenzUpdate“-Podcast

Digitalisierung? „Muss für Ärzte einen Mehrwert bieten!“

Digitalisierung und Datenschutz pandemiekonform: SVR-Vorsitzender Professor Ferdinand Gerlach (li.) am 24. März in Berlin bei der Vorstellung des Ratsgutachtens und der Bundesdatenschutzbeauftragte Professor Ulrich Kelber (re.) einen Tag später bei der Vorlage seines Tätigkeitsberichts.

© [M] Gerlach: Wolfgang Kumm / dpa | Kelber: Bernd von Jutrczenka / dpa

„ÄrzteTag“-Podcast

„Wir verlangen Digitalisierung mit Gehirnschmalz!“ (Streitgespräch Teil 1)

Thorsten Kaatze, kaufmännischer Direktor am Uniklinikum Essen

© UK Essen

„ÄrzteTag“-Podcast

Ein „Kochrezept“ für die Digitalisierung einer Uniklinik

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden / registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Hendrick Wüst, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen (vorne von rechts), Michael Müller (SPD), Regierender Bürgermeister von Berlin, die geschäftsführende Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Olaf Scholz (SPD), SPD-Kanzlerkandidat und Bundesminister der Finanzen, auf dem Weg zur Pressekonferenz, auf der sie die beschlossenen Maßnahmen vorstellten.

© John Macdougall/AFP-Pool/dpa

Einheitliche Standards beschlossen

Bund-Länder-Gipfel ebnet regionalen Corona-Lockdowns den Weg

AU-Bescheinigungen können vorerst bis Ende März auch weiter via Telefon-Kontakt ausgestellt werden.

© Stockfotos-MG / stock.adobe.com

Corona-Sonderregeln

GBA verlängert Tele-AU bis Ende März 2022