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Zweigpraxis gegen lange Wege

Der Gastroenterologe Dr. Michael Schöfer aus Langen betreibt seit April 2011 eine Zweigpraxis in Rüsselsheim. Er erspart damit den Patienten weite Wege.

Kerstin MitternachtVon Kerstin Mitternacht Veröffentlicht:
Ein Team für zwei Praxen: Dr. Schöfer (links) und seine Mitarbeiter sind in Langen und in Rüsselsheim tätig.

Ein Team für zwei Praxen: Dr. Schöfer (links) und seine Mitarbeiter sind in Langen und in Rüsselsheim tätig.

© GPR

RÜSSELSHEIM. Unterversorgung im Rhein-Main-Gebiet? Das ist kaum vorstellbar. Aber Patienten aus Rüsselsheim mussten bis vor Kurzem für eine Endoskopie noch weite Wege auf sich nehmen.

Denn in Rüsselsheim hatte der letzte Arzt, der noch endoskopierte, vor drei Jahren seine Praxis geschlossen.

Deshalb freuten sich die Hausärzte vor Ort, als Dr. Michael Schöfer mit ihnen Kontakt aufnahm und sich nach der dortigen Situation erkundigte.

Der Gastroenterologe betreibt seit dem Jahr 2000 mit zwei Partnern, Dr. Matthias Scholz und Michael Bürke, eine Internistische Gemeinschaftspraxis im Fachärztezentrum in Langen und hatte vor etwa drei Jahren eine Patientin aus Rüsselsheim.

"Ich wunderte mich, dass ein Patient den Weg von Rüsselsheim nach Langen auf sich genommen hat und fragte nach dem Grund", so Schöfer. Er erfuhr, dass es keinen Gastroenterologen mehr in Rüsselsheim gibt.

Klinik in Rüsselsheim stellte Praxisräume zur Verfügung

"Ich habe damals sofort die Gelegenheit genutzt und mich mit den Zuweisern in Verbindung gesetzt", so Schöfer. Schnell war ihm klar, dass er in Rüsselsheim eine Zweigpraxis eröffnen muss.

Er stellte, mit der Unterstützung der Hausärzte in Rüsselsheim, einen Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV). Die KV in Darmstadt erkannte die Unterversorgung und stimmte dem Antrag zu, doch die KV Hessen in Frankfurt lehnte den Antrag erst einmal ab.

Schöfer reichte dagegen Beschwerde ein. "Ich wusste aus den Gesprächen mit den Ärzten, dass der Bedarf riesig ist."

"In Langen ist unser Facharztzentrum in der Nähe der Klinik, und die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. So etwas habe ich auch in Rüsselsheim gesucht", sagte Schöfer.

Die Klinik in Rüsselsheim war von dem Konzept sofort begeistert und stellte Praxisräume zur Verfügung. Schöfer bekam die Genehmigung der KV und eröffnete im April 2011 dann die Zweigpraxis in Rüsselsheim.

Weiterer Kollege benötigt

Die beiden Praxen, Langen und Rüsselsheim, sind eng miteinander verbunden. Schöfer hat nicht nur auf einen einheitlichen Auftritt der Praxen und ein gemeinsames Praxis-EDV-System geachtet, auch die Ärzte und Medizinische Fachangestellte (MFA) arbeiten in beiden Praxen.

Diese enge Zusammenarbeit ist Schöfer wichtig. Insgesamt gibt es vier Ärzte für beide Praxen, von denen immer einer drei bis vier Tage in der Woche mit zwei Endoskopieschwestern in Rüsselsheim ist.

"Jeden Tag können wir Rüsselsheim noch nicht besetzen, dafür brauchen wir noch einen weiteren Kollegen, der uns unterstützt. Aber das sind erst einmal Zukunftspläne."

Der Empfang in Rüsselsheim war toll, berichtet Schöfer. Die Patienten haben sich gefreut, dass sie jetzt wieder vor Ort einen Arzt haben, der endoskopiert und sie nicht mehr nach Wiesbaden oder Frankfurt fahren müssen.

"Schon jetzt gibt es mehr Patienten, als wir schaffen können. Mich hat es sehr gewundert, dass im Rhein-Main-Gebiet ein solcher Mangel herrscht. Das ist schon eher ungewöhnlich für diese Region", sagt Schöfer.

Reibungslose Zusammenarbeit

Bei der Darmkrebs-Aufklärung setzt der Gastroenterologe hauptsächlich auf Mundpropaganda. Auch wenn seine Praxis im Darmkrebsmonat März mit Plakaten und Veranstaltungen zusätzlich auf das Thema aufmerksam macht.

"Denn Patienten die zur Untersuchung da waren und gemerkt haben, dass eine Darmspiegelung völlig schmerzfrei ist, die geben das weiter", sagte Schöfer. "Die beste Werbung ist daher der zufriedene Patient."

Taucht ein Krebsfall auf, ist der Patient durch die nahe Anbindung an die Klinik gut aufgehoben. Innerhalb einer Stunde nach Diagnose kann er beim Onkologen und Chirurgen sein. Er weiß dann gleich, wie es mit der Behandlung weiter geht.

"In beiden Standorten funktioniert die Zusammenarbeit reibungslos und ist gut organisiert. Das schätzen Ärzte und Patienten", so Schöfer.

Da die Hausärzte den engsten Kontakt zu den Patienten haben, macht die Gemeinschaftspraxis zudem regelmäßige Veranstaltungen für Zuweiser - gemeinsam mit den Onkologen aus dem Facharztzentrum.

Denn die Hausärzte sind die erste Stelle, die dem Patienten die Darmkrebsvorsorge empfehlen können, so der Gastroenterologe.

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