Ärzte Zeitung, 10.09.2004

Kinderärzte-Orchester musiziert für Kinderärzte

Konzert in der Berliner Philharmonie zur 100. Pädiater-Jahrestagung / Eines der besten deutschen Laienorchester

Von Ursula Gräfen

Ein großes Sinfonieorchester: 85 Mitglieder hat das Kinderärzte-Orchester, zwei Drittel von ihnen sind wirklich Pädiater. Foto: Orchester der Deutschen Kinderärzte

Konzerte in der Berliner Philharmonie sind meist etwas Besonderes. Das gilt auch für das heutige Konzert. Eines der besten Laienorchester Deutschlands tritt auf: das Orchester der Deutschen Kinderärzte.

Das Programm ist gewohnt anspruchsvoll: Carl Maria von Webers Ouvertüre zur Oper "Der Freischütz", das vierte Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven und die Sinfonie in d-moll von César Franck.

Dieses Programm spricht für sich: Das Kinderärzte-Orchester hat einen hohen Anspruch, und dem werden die musizierenden Mediziner auch gerecht. "Der Standard des Orchesters ist durchaus dem eines guten Mittelklasse-Orchesters vergleichbar", ist das Urteil ihres ehemaligen künstlerischen Leiters, des Wiener Dirigenten und Geigers Eduard Melkus.

Der Dirigent Manfred Fabricius ist neuer künstlerischer Leiter

Das Orchester hat 85 Mitglieder - zwei Drittel von ihnen sind wirklich Kinderärzte oder wenigstens in der Facharztausbildung. Die anderen Mitglieder sind meist Ärzte anderer Fachgebiete. Neuer künstlerischer Leiter ist Manfred Fabricius. Der Berliner Dirigent wurde im letzten Jahr zu Melkus’ Nachfolger gewählt. Fabricius steht auch heute am Pult.

Solist in dem Klavierkonzert ist der junge Pianist Martin Helmchen (24). Das Kinderärzte-Orchester spielt oft und gerne mit jungen Künstlern zusammen. Aber auch prominente Solisten wie die Pianisten Paul Badura-Skoda und Justus Frantz oder der Flötist Aurèle Nicolet sind schon mit dem Orchester aufgetreten.

Angefangen hat alles vor 44 Jahren: 1960 wurde das Orchester der Deutschen Kinderärzte gegründet. Damals noch als kleines Kammerorchester, das sich hauptsächlich der Barockmusik widmete. Leiter war der Geiger und Dirigent Wilhelm Stoß. Nach dessen Tod im Jahre 1966 übernahm Melkus die künstlerische Leitung - und baute das Orchester und sein Repertoire sukzessive aus.

Es wurde eine Holzbläsergruppe hinzugenommen, dann eine Blechbläserformation. Im Laufe der Jahre entstand ein richtiges Sinfonieorchester. Es wurden große Werke aus der Klassik und der Romantik erarbeitet, dann wagte sich das Kinderärzte-Orchester auch an die Musik des beginnenden 20. Jahrhunderts. So haben die Pädiater schon Werke von Richard Strauss, Gustav Mahler und Anton Bruckner gespielt.

Erlöse aus dem Konzert für Kinder in Beslan

Das Orchester gibt einmal im Jahr ein öffentliches Konzert - zur Jahrestagung der Gesellschaft für Kinderheilkunde. Zunächst übt jeder zuhause für sich. Eine Woche vor dem Konzert kommt das Orchester zusammen und begibt sich in Klausur. Da wird von morgens bis abends intensiv geprobt. "Wir sind dann fünf Tage ununterbrochen zusammen, das ist unser Geheimnis", erklärt der Orchester-Vorsitzende und Cellist Dr. Günter Eilers. Das Orchester ist auf Spenden angewiesen. Kosten, die während der Probezeit entstehen, übernehmen die Ärzte-Musiker selbst.

Übrigens kommen die Erlöse aus den Konzerten immer einem guten Zweck zugute. Diesmal bekommt UNICEF das Geld für Kinder in Beslan.

Musik auf der Pädiater-Tagung

Viel Musik von Kollegen für Kollegen gibt es auf der 100. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, die derzeit in Berlin stattfindet.

Heute abend um 20 Uhr spielt das Orchester der Deutschen Kinderärzte im Großen Saal der Berliner Philharmonie. Karten kosten 10, 20 und 30 Euro.

Morgen, am 11. September, findet der Gesellschaftsabend in der Universal Hall statt, auf dem die Ärzte-Band "Dancing Patellas" aufspielt. Beginn ist um 19,30 Uhr. Die Eintrittskarten kosten 35 Euro pro Person.

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