Ärzte Zeitung online, 11.10.2019

Übergewicht

Adipositas bei Kindern bleibt gewichtiges Problem

Die Zahl der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland stagniert. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft sieht zum Weltadipositastag aber keinen Grund zur Freude.

Von Katharina Grzegorek

195a0801_8181024-A.jpg

Nach Daten des RKI sind fast sechs Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland adipös.

© kwanchaichaiudom / stock.adobe.com

NEU-ISENBURG. Die Zahl der adipösen Kinder in Deutschland hat sich in den letzten Jahren nicht erhöht. Das ist ein Ergebnis der kürzlich veröffentlichten zweiten Welle der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts (RKI). Demnach sind 9,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen (drei bis 17 Jahre) übergewichtig, 5,9 Prozent sind adipös.

„Es kam zwar zu keiner weiteren Zunahme von Übergewicht/Adipositas bei Kindern und Jugendlichen zwischen der KiGGS-Basiserhebung (2003-2006) und KiGGS-Welle 2 (2014-1017) des RKI, die Anzahl der Betroffenen ist aber damit auch weiterhin deutlich zu hoch“, mahnen die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) und die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) in einer Mitteilung aus Anlass des Weltadipositastages am 11. Oktober.

Der Gesellschaft bereitet unter anderem die negative Entwicklung der Therapieangebote für Kinder und Jugendliche mit Adipositas Sorge, besonders im ambulanten Bereich. „Nach Erkenntnissen der Adipositas-Patienten-Verlaufsdokumentation (APV) ist seit 2013 die Zahl der Behandlungseinrichtungen um ein Drittel zurückgegangen“, wird Dr. Susanna Wiegand, Kinder- und Jugendärztin an der Berliner Charité und Mitglied der AGA, in der Mitteilung zitiert.

Atlas prognostiziert Fallzunahme

Diese Entwicklung könnte ein Grund dafür sein, dass die erreichte Stagnation beim Kinderübergewicht nicht nachhaltig sei und die Häufigkeit von Adipositas und Übergewicht wieder zunehmen werde, heißt es weiter. So prognostiziert es etwa der Kinderübergewichts-Atlas der internationalen Adipositas-Gesellschaft „World Obesity“, der sich unter anderem auf Daten der WHO stützt. Demnach werden im Jahr 2030 über 1,3 Millionen Kinder und Teenager in Deutschland adipös sein, „rund 500.000 mehr als heute“, so Privatdozentin Susann Weirauch, Sprecherin der AGA und DAG.

Neben einem Ausbau der Therapieangebote für Kinder- und Jugendliche und einem Zugang zur Adipositastherapie in der Regelversorgung für Erwachsene fordert die DAG unter anderem auch eine effektivere Prävention von Übergewicht bei Heranwachsenden – und auch der Elterngeneration.

Schließlich hat die GEDA-Studie des RKI in diesem Jahr ergeben, dass sich fast zwei Drittel der jungen Eltern in Deutschland zu wenig bewegen und nicht einmal die Hälfte sich ausgewogen genug ernährt. Und damit steigt auch das Risiko der Kinder, adipös zu werden.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Antidepressiva sicherer als gedacht

Wer Antidepressiva benötigt, trägt ein höheres Suizidrisiko - schwangere Patientinnen gebären gehäuft Kinder mit Autismus. Das alles liegt aber wahrscheinlich nicht an der Medikation. mehr »

Buttersäure-Anschlag auf Arztpraxis

Ein Vermummter hat eine Hamburger Arztpraxis mit Buttersäure angegriffen. Drei Personen wurden verletzt. Der Staatsschutz ermittelt, da die Attacke einen politischen Hintergrund haben könnte. mehr »

Spahns Kassenreform im Vorstände-Check

Mit dem „Fairer-Kassenwettbewerb-Gesetz“ will Gesundheitsminister Spahn einen gerechteren Wettbewerb unter den Kassen anfachen. Wir haben vier Kassenvorstände befragt, was sie vom Gesetzentwurf halten. mehr »