Ärzte Zeitung, 22.06.2011

Kommentar

Tiefe Angst oder irrige Sorglosigkeit

Von Angela Speth

"Einfach & bequem von Zuhause, ohne Arztbesuch!" - Werbesprüche für Online-Gentests, die den kurzen Dienstweg suggerieren. Tatsächlich meinen sie: am Arzt und seiner Beratung vorbeigeschmuggelt.

Selbst wenn man den grundsätzlichen Vorbehalt beiseite lässt, dass niemand je prüft, von wem die Speichelprobe wirklich stammt - wer den vermeintlich vorteilhaften Service einkauft, tut sich keinen Gefallen: Er bleibt mit dem Ergebnis allein - überfordert!

Je nach Umständen und Charakter stürzt er in tiefe Angst, lässt sich teure Prophylaxe aufschwatzen oder schädigt seine Gesundheit durch Zigaretten und Alkohol. Unangemessen sind solche Reaktionen auf genetische Daten besonders bei KHK oder Diabetes - zu komplex, zu wenig erforscht ist das Zusammenspiel der vielen Mutationen, die diese Volkskrankheiten begünstigen.

"Genetische DTC-Tests sollten nicht zugelassen werden, weil sie einer ethisch akzeptablen Diagnostik nicht entsprechen", so die Deutsche Gesellschaft für Humangenetik. Ein Werbeverbot außerhalb der Fachkreise wie für verschreibungspflichtige Arzneien ist das Mindeste. Um es auf gut denglisch zu sagen: DTC (Direct-To- Consumer) ist nicht so easy wie OTC (Over-The-Counter)!

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Gentests via Internet - und ratlos bleibt der Nutzer

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