Ärzte Zeitung, 19.11.2018

Ernährung

Auf Frühstück zu verzichten könnte Diabetes-Gefahr erhöhen

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen.

Auf Frühstück zu verzichten erhöht Diabetes-Gefahr

Morgens auf dem Smartphone Mails checken und nur schnell einen Kaffee trinken, bevor es zur Arbeit geht: Wer so lebt, könnte sein Diabetes-Risiko erhöhen.

© S.T.A.R.S / stock.adobe.com

DÜSSELDORF. Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass der Verzicht auf ein Frühstück mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Allerdings wurde bislang nicht nachgewiesen, in welchem Zusammenhang dies mit Adipositas steht.

Adipositas ist bekanntlich ein bedeutender Risikofaktor für das Auftreten von Typ-2-Diabetes. Es konnte gezeigt werden, dass adipöse Menschen im Vergleich zu Normalgewichtigen häufiger auf das Frühstück verzichten, berichtet das Deutsche Diabetes-Zentrum. Darüber hinaus wird der Frühstücksverzicht mit einer Zunahme des Gewichts diskutiert.

Ein Forscherteam um Dr. Sabrina Schlesinger vom Deutschen Diabetes-Zentrum verglich Männer und Frauen in sechs Langzeitstudien unter Berücksichtigung des BMI (J Nutr 2018, online 9. November).

Dosis-Wirkungs-Beziehung

Die Ergebnisse der Studie haben eine Dosis-Wirkungs-Beziehung ergeben, das heißt, mit steigender Anzahl der Tage, an denen nicht gefrühstückt wurde, stieg das Diabetesrisiko an, berichtet das Zentrum in einer Mitteilung.

Das stärkste Risiko wurde für den Verzicht von Frühstück an 4-5 Tagen pro Woche beobachtet. Ab dem 5. Tag in Folge, an dem auf ein Frühstück verzichtet wurde, wurde kein weiterer Risikoanstieg ermittelt.

„Dieser Zusammenhang ist zum Teil auf den Einfluss des Übergewichts zurückzuführen. Selbst nach Berücksichtigung des BMI ging der Frühstücksverzicht mit einem erhöhten Diabetesrisiko einher“, wird Schlesinger in der Mitteilung zitiert.

In ihrer Meta-Analyse fasste das Team Daten von sechs verschiedenen internationalen Beobachtungsstudien zusammen. Insgesamt wurden Daten von 96.175 Teilnehmern, davon 4935, die im Studienverlauf an Typ-2-Diabetes erkrankten, ausgewertet.

Liegt es am (un)gesunden Lebensstil?

Eine Erklärung für den Zusammenhang zwischen Frühstücksverzicht und dem Risiko für Typ-2-Diabetes könnte ein gesunder Lebensstil per se sein.

Teilnehmer, die auf ihr Frühstück verzichten, könnten generell eine ungünstigere Ernährungsweise, beispielsweise durch den Konsum von kalorienhaltigen Snacks und Getränken, aufweisen. Auch sind sie möglicherweise weniger körperlich aktiv oder rauchen mehr.

Allerdings wurden diese Faktoren in der Auswertung berücksichtigt, sodass der beobachtete Zusammenhang durch andere Faktoren erklärbar sein könnte.

„Weitere Studien sind nötig, die neben der Aufklärung der Mechanismen, auch den Einfluss der Zusammensetzung des Frühstücks auf das Diabetesrisiko erforschen“, schlussfolgert Schlesinger.

„Grundsätzlich ist ein regelmäßiges und ausgewogenes Frühstück allen Menschen – mit und ohne Diabetes – zu empfehlen“, betont die Epidemiologin und Ernährungswissenschaftlerin. (eb)

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[19.11.2018, 14:17:42]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Frühstücksverzicht/BMI ebenso wie Hosenträger sind Typ-2 Diabetes Surrogatparameter !
Dazu schreibt unter
https://diabeticmediterraneandiet.com/2018/11/15/skipping-breakfast-may-increase-your-risk-of-type-2-diabetes/
die Zeitschrift "Diabetic Mediterranean Diet" unter dem Titel:

"Skipping Breakfast May Increase Your Risk of Type 2 Diabetes"
folgendes:
"In total 6 studies, based on 96,175 participants and 4935 cases, were included. The summary RR for type 2 diabetes comparing ever with never skipping breakfast was 1.33 (95% CI: 1.22, 1.46, n = 6 studies) without adjustment for BMI, and 1.22 (95% CI: 1.12, 1.34, n = 4 studies) after adjustment for BMI. Nonlinear dose-response meta-analysis indicated that risk of type 2 diabetes increased with every additional day of breakfast skipping, but the curve reached a plateau at 4–5 d/wk, showing an increased risk of 55% (summary RR: 1.55; 95% CI: 1.41, 1.71). No further increase in risk of type 2 diabetes was observed after 5 d of breakfast skipping/wk (P for nonlinearity = 0.08).
Conclusions - This meta-analysis provides evidence that breakfast skipping is associated with an increased risk of type 2 diabetes, and the association is partly mediated by BMI."
Source: Breakfast Skipping Is Associated with Increased Risk of Type 2 Diabetes among Adults: A Systematic Review and Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies | The Journal of Nutrition | Oxford Academic

1. Kritikpunkt
Wenn schon die meisten Menschen retrospektiv nur sehr ungenaue und quantitativ vage Antworten geben können, was sie gegessen h a b e n, ist es nahezu unmöglich voraussagen zu können, was sie wohl prospektiv essen w e r d e n. Von daher sind prospektive Studien ohne begleitende Stoffwechselverifikationen z. B. mittels HbA1c Messungen oder Kontrollen des Alkoholkonsums durch CDT-Bestimmung (Carbohydrate-Deficient Transferrin) kaum aussagekräftig.

2. Kritikpunkt
Der BMI ist weniger aussagekräftig als die Messung des Bauchumfangs zur viszeralen Fettmassen-Messung. Auch das Taille-Hüft-Verhältnis (THV; englisch waist-hip ratio oder waist-to-hip ratio, WHR) beschreibt und identifiziert Risiken für metabolisches Syndrom und/oder Typ-2-Diabetes mellitus besser als der BMI.

3. Kritikpunkt
Die Tatsache, dass das Risiko-Anstiegsverhältnis (RR=risk ratio) o h n e BMI-Adjustierung h ö h e r ist als mit BMI-Adjustierung belegt, dass der BMI hier eher Surrogat-Parameter ist. RR (Risk Ratio) o h n e zu Frühstücken auf 1.33 (95% CI: 1.22, 1.46, n = 6 studies) erhöht, o h n e BMI-Adjustierung. Mit BMI-Adjustierung dagegen nur 1.22 erhöht. Es gibt auch keine lineare Beziehung zum BMI: Mehr als 5 mal/Woche nicht zu frühstücken, bewirkt keine weitere Risikoerhöhung für Typ-2-Diabetes mellitus.

Das Ganze erinnert an ein glücklicherweise fiktives, prospektives Studiendesign über den Gebrauch von Hosenträgern bei männlicher Adipositas. Die Inzidenz des Tragens von Hosenträgern erhöht die alters-abhängige Wahrscheinlichkeit für viszerale Adipositas, übermäßigen Alkoholkonsum und Bewegungsmangel. Damit hätten Hosenträger-Träger erhöhte Risiken für Diabetes, KHK, akutes Koronarsyndrom, metabolisches Syndrom und, man höre und staune, für Adipositas und hohen BMI.

Doch selbst wenn man das zusätzliche Gewicht für die Hosenträger abzieht und berücksichtig, dass ein Doppelblindversuch mit/ohne Hosenträger unmöglich ist, sind und bleiben Hosenträger wie auch Nicht-Frühstücken klassische Surrogat-Parameter für andere, bio-psycho-sozial und nosologisch begründete Krankheitsentitäten.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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