Ärzte Zeitung, 14.10.2010

Psoriasis - am häufigsten trifft es den behaarten Kopf

Psoriasis am behaarten Kopf ist für die Betroffenen vor allem aus kosmetischen Gründen eine besondere Belastung. Sie kann das Selbstwertgefühl erheblich mindern.

Von Ulrike Maronde

Psoriasis - am häufigsten trifft es den behaarten Kopf

Bei Schuppenflechte am behaarten Kopf gehören die topischen Glukokortikoide und die Vitamin-D3-Analoga zu den Mitteln der ersten Wahl.

© Farina3000 / fotolia.com

NEU-ISENBURG. Bei Patienten mit Psoriasis ist der behaarte Kopf das am meisten von der Dermatose befallene Hautareal. Die Erkrankung wird von den Betroffenen vor allem aus kosmetischen Gründen als besonders belastend empfunden: Hierbei sind nicht allein die Symptome, etwa eine starke Schuppung oder Rötung, relevant. Eine wesentliche Rolle spielen auch die topischen Formulierungen, die das Erscheinungsbild beeinflussen durch öliges Haar, Verfärbungen oder aufdringlichen Geruch. Auch können sie die Compliance beeinträchtigen. So mindern diese kosmetischen Faktoren das Selbstwertgefühl der Betroffenen.

Therapie der ersten Wahl ist nach wie vor die topische Behandlung, wie in der Leitlinie "Psoriasis des behaarten Kopfes" betont wird, die die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG) im Herbst vergangenen Jahres veröffentlicht hat. Angewendet werden vor allem Wirkstoffe aus fünf Substanzklassen in Mono- oder Kombinationstherapie. Dabei gehören die topischen Glukokortikoide und die Vitamin-D3-Analoga zu den Mitteln der ersten Wahl.

Topische Glukokortikoide
Topische Kortikoide sind bei allen Schweregraden der Kopfhaut-Psoriasis und ohne wesentliche kosmetische Einschränkungen anwendbar. Die Leitlinie empfiehlt speziell für die Kopfhaut entwickelte Fertigarzneimittel: als Schaum Clarelux® und Deflatop® sowie als Shampoo Clobex®.

Vitamin-D3-Analoga
Vitamin-D3-Analoga hemmen die Proliferation, tragen zur Normalisierung der Keratinisation bei und haben antientzündliche Effekte. Zur Therapie bei Kopfhaut-Psoriasis stehen Calcipotriol und Tacalcitol zur Verfügung.

Kombinationen
Speziell für die Therapie bei Kopfhaut-Psoriasis wurde ein Kombinationspräparat entwickelt, das Calcipotriol und Betamethasondipropionat in Gelform enthält (Xamiol®). Es braucht nur einmal täglich aufgetragen zu werden - praktischerweise am Abend, sodass es morgens ausgewaschen werden kann. Die Wirksamkeit des Kombipräparates ist in mehreren Kurz- und Langzeitstudien nachgewiesen worden.

Keratolytika
Salicylsäure in höheren Konzentrationen hat überwiegend keratolytische Eigenschaften. Die Substanz wird als Initialtherapie über wenige Tage zur Auf- und Ablösung starker Schuppung eingesetzt, um nachfolgend die Wirkstoffaufnahme von topischen Antipsoriatika zu verbessern. Falls erforderlich, kann eine Keratolyse auch mit emulgierenden blanden Cremes wie Ung. emuls. aquos. erreicht werden, die über Nacht aufgetragen und morgens ausgewaschen werden.

Teerhaltige Externa
Da die Datenlage zur Wirksamkeit teerhaltiger Zubereitungen im Bereich des behaarten Kopfes nicht den Anforderungen der Evidenz-basierten Medizin entspricht, werden diese Produkte in der Leitlinie nicht mehr empfohlen.

Anthralin
Zur Wirksamkeit von Anthralin bei Kopfhaut-Psoriasis liegen kaum Daten vor. Nachteile der Substanz sind Hautreizungen und -verfärbungen, Beschmutzung der Wäsche und der Geruch. Daher hat Anthralin inzwischen an Bedeutung verloren, wie es in der Leitlinie heißt.

Im ambulanten Bereich ist Anthralin in Bio-Waschöl vor allem bei resistenter Kopfhaut-Psoriasis eine Option. Bei guter Compliance ist Dithranol-Creme (Micanol®) als Kurzzeittherapie möglich.

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