Ärzte Zeitung, 15.02.2011

Berufsdermatose - meist trifft es die Hände

Von 10.000 Beschäftigten entwickelt sich bei sieben jedes Jahr ein Handekzem als Berufsdermatose. Bei chronischem Ekzem ist trotz Therapie erst nach Wochen bis Monaten mit einer vollständigen Hautregeneration zu rechnen.

Von Marlinde Lehmann

Berufsdermatose - meist trifft es die Hände

Dauernder Kontakt mit Wasser und Chemikalien erhöht das Risiko für ein Ekzem bei Friseuren.

© Kzenon / fotolia.com

BERLIN. Handekzeme sind häufig. Zwischen sechs und elf Prozent der Allgemeinbevölkerung haben epidemiologischen Studien zufolge ein Handekzem. Und auch bei den berufsbedingten Hauterkrankungen steht das Handekzem eindeutig an der Spitze: Bei mehr als 90 Prozent der Patienten mit berufsbedingter Dermatose manifestiert sich diese als Ekzem an den Händen. Von 10.000 Beschäftigten bekommen jedes Jahr sieben ein Handekzem als Berufsdermatose, die Dunkelziffer ist wesentlich höher (Faktor 30 bis 50), berichten Kollegen der Charité in Berlin (Der Hautarzt 2009; 9: 718).

Berufsdermatose - meist trifft es die Hände

Schwere Ekzeme mit Rissen und Verhornungen an der Handfläche.

© Basilea Pharmaceutica

Je nach Ätiologie werden irritative (subtoxisch-kumulative) und allergische Kontaktekzeme (Typ-IV-Sensibilisierung) sowie Handekzeme im Zusammenhang mit einer atopischen Dermatitis unterschieden.

Eine seltene Form ist ferner die Proteinkontaktdermatitis, Folge einer immunologischen Sensibilisierung (Typ I und / oder Typ IV) und häufig durch Latex, Nahrungsmittelallergene oder Tierhaare ausgelöst. Meist handelt es sich bei Handekzemen aber um Mischformen, was bei der Therapie berücksichtigt werden muss.

Bei chronischem Handekzem Basistherapie mit Fettsalben

Selbstverständlich muss bei einem Handekzem nach ursächlichen Triggerfaktoren wie Allergene gesucht und müssen präventive Maßnahmen eingeleitet werden, erinnern auch die Autoren der "Leitlinie Management von Handekzemen" (J Dtsch Dermatol Ges 2009, 7 (Suppl 3): 1 - 16).

Ziel einer topischen Basistherapie ist die Hydratation und konsequente Rückfettung der Haut - natürlich möglichst mit konservierungs- und duftstofffreien Mitteln. Im akuten Stadium eignen sich dafür eher Umschläge, Cremes oder Lotionen, im subakuten Stadium Salben.

Für Patienten mit chronischem Handekzem, also mit einem schon seit mehr als drei Monate bestehendem Ekzem oder mit mindestens zwei Rezidiven innerhalb von zwölf Monaten, sind Fettsalben geeignet.

Führen die Basismaßnahmen allein nicht zum Erfolg, wird mit spezifischer Lokaltherapie kombiniert. Außer Glukokortikoide, die kurzfristig/intermittierend angewandt werden sollten, kommen bei leichtem Handekzem Calcineurinhemmer infrage.

Calcineurinhemmer könnten zur Therapie bei atopischem Handekzem angewandt werden. Sie könnten das Auftreten einer Hautatrophie verhindern, erinnern die Autoren der Leitlinie.

Entsprechend der Morphe stünden weitere spezifische Therapien zur Verfügung. Besonders bei hyperkeratotisch rhagadiformen Handekzemen kämen zum Beispiel Keratolytika wie Salicylsäure (bis 20 Prozent) oder ein Harnstoffpräparat (5 bis 10 Prozent), das Hornschicht- erweichend, glättend, penetrationsfördernd und wasserbindend wirkt, zum Einsatz.

Therapie erfordert Geduld und gute Compliance

Bei superinfizierten Ekzemen können antimikrobielle Substanzen wie Clioquinol oder Chlorhexidin indiziert sein, bei Hyperhidrose oder vesikulären (dyshidrosiformen) Ekzemen kommt auch die Leitungswasser-Iontophorese infrage.

Bei Patienten mit mittelschwerem oder schwerem sowie persistierendem oder chronisch rezidivierendem Handekzem sollten laut Leitlinie - zusätzlich zu den bei leichten Handekzem angebrachten Maßnahmen - außer hochpotenten topischen Glukokortikoiden und Photochemotherapie (überwiegend Creme- oder Bade-PUVA-Therapie) auch systemisch angewandte Wirkstoffe in Betracht gezogen werden.

Optionen sind hier

  • Alitretinoin (Toctino®), ein physiologisches, endogenes Vitamin-A-Säure-Derivat mit immunmodulatorischer und antientzündlicher Wirkung. Das Mittel ist zur Therapie bei Patienten mit schwerem, refraktärem Handekzem, die auf die Behandlung mit potenten topischen Kortikosteroiden nicht oder nicht ausreichend ansprechen, zugelassen.
  • Systemische Kortikoide: Sie können bei akuten Formen des schweren Handekzems kurzfristig angewandt werden (meist 0,5 bis 1 mg / kg KG / Tag Prednisolonäquivalent). Bei chronischen Formen des Handekzems seien sie aufgrund des Nebenwirkungsprofils und fehlender klinischer Studien zur Wirksamkeit nicht geeignet, heißt es in der Leitlinie.
  • Ciclosporin, das zur Therapie bei schwer ausgeprägter atopischer Dermatitis zugelassen ist. Im Einzelfall werden auch Methotrexat oder Azathioprin im off-label-use angewandt.

Auch begleitende psychotherapeutische Maßnahmen können sinnvoll sein, in Einzelfällen auch eine symptombezogene Begleitmedikation etwa mit Antibiotika und Antihistaminika.

Wichtig: Die Patienten müssen wissen, dass bei Therapie eine vollständige Regeneration der epidermalen Barriere erst im Verlauf von mehreren Wochen bis Monaten nach Abheilung eines chronischen Handekzems eintritt. Betroffene sollten geschult werden, eine konsequente Basistherapie inklusive von Hautschutzmaßnahmen auch bei unauffälligem Hautbefund anzuwenden.

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