Ärzte Zeitung, 16.04.2010

Synkopen sind immer abklärungspflichtig

Lebensgefährliche Rhythmusstörungen können Ursachen von Synkopen sein. Ein Ereignisrekorder unterstützt die Diagnostik.

Von Werner Stingl

Synkopen sind immer abklärungspflichtig

Die Ursache von kardialen Synkopen können gelegentlich weder EKG noch Kipptischuntersuchung klären.
© Photos.com

MANNHEIM. Synkopen sind gar nicht so selten, bergen eine hohe Verletzungsgefahr und können Hinweis auf einen drohenden plötzlichen Herztod sein. Jeder Ohnmachtsanfall ist deshalb konsequent abzuklären. Eine Synkope ist definiert als spontan reversibler Bewusstseinsverlust infolge einer globalen Hirnminderdurchblutung mit plötzlichem Beginn, kurzer Dauer und vollständiger Erholung. Daran hat Professor Wolfgang von Scheidt aus Augsburg bei einer Veranstaltung des Unternehmens Medtronic zum Kardiologenkongress in Mannheim erinnert. Etwa 40 Prozent der Gesamtbevölkerung erleben mindestens einmal im Leben eine Synkope, wobei 35 Prozent aller Betroffenen ohne ursächliche Diagnose bleiben. Dies ist um so bedauerlicher, als 20 bis 30 Prozent aller Synkopen kardial bedingt sind und dann ein deutlich erhöhtes Risiko für einen plötzlichen Herztod bestehen kann.

Kriterien für Reflexsynkope

Ein wichtiges Unterscheidungskriterium, um kardiale Synkopen von für die Verletzungsgefahr eher harmlosen Reflexsynkopen abzugrenzen, ist die fehlende Prodromal-Symptomatik. Reflexsynkopen kündigen sich üblicherweise mit einem Gefühl der Unruhe, "Schummrigkeit" oder Kreislaufschwäche an, und der weitere Verlauf kann durch eine kurze bewusste Muskelanspannung meist sogar abgewendet werden. Eine kardial-arrhythmogen bedingte Synkope kommt ohne Vorwarnung, wie nach Umlegen eines Lichtschalters, erklärte von Scheidt.

Potenziell lebensgefährliche, zur Ohnmacht führende Rhythmusstörungen treten oft zu sporadisch und unregelmäßig auf, um sie selbst mit Langzeit-EKGs zu erfassen. Kann deshalb die Ursache einer - wiederholten - Synkope trotz EKG, Langzeit-EKG, Kipptischuntersuchung und externem Ereignisrekorder nicht gefunden werden, bietet sich als diagnostisches Optimum ein implantierbarer Loop-Rekorder wie Reveal® DX an, sagte Professor Karlheinz Seidl aus Ludwigshafen. Das Gerät von der Größe eines Memory-Sticks wird in Lokalanästhesie über dem Herzen implantiert und zeichnet in einer Endlosschleife ähnlich der Blackbox eines Flugzeugs bis zu drei Jahre lang den Herzrhythmus auf.

Drei Jahre Datenspeicherung

Vordefinierte Auffälligkeiten wie das Über- oder Unterschreiten einer bestimmten Frequenz werden automatisch gespeichert. Zusätzlich kann der Patient durch Auflegen eines ständig bei sich zu führenden kleinen externen Aktivators aktuell und rückwirkend eine Rhythmusspeicherung, etwa die letzten Minuten vor einem Anfall oder einem sonstigen suspekten Ereignis, veranlassen. Damit lässt sich zuverlässig ermitteln, ob ein Zusammenhang zwischen Anfall und Herzaktivität besteht.

Alle gespeicherten Aufzeichnungen des Loop-Rekorders können über eine externe Einheit ausgelesen und auch telemedizinisch an das diagnostische Zentrum übermittelt werden. Die Maßnahme wird bei begründeter Indikation auch von den gesetzlichen Krankenkassen getragen, so Seidl in der Diskussion.

Synkopen oft als Epilepsie fehldiagnostiziert

Die häufigste Fehldiagnose, die Patienten mit kardial bedingten Synkopen droht, ist die des epileptischen Anfalls. Viele Betroffene verbringen eine unter Umständen lebensgefährliche Zeit in der neurologischen Warteschleife, bevor sie schließlich beim Kardiologen landen, warnte Professor Wolfgang von Scheidt. Er hofft, dass die 2009 aktualisierte Leitlinie der ESC zu Diagnostik und Therapie bei Synkopen sowie der in Kürze in "Der Kardiologe" erscheinende deutsche Kommentar dazu beitragen können, mehr betroffene Patienten schneller auf den richtigen Weg zu bringen. (wst)

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