Ärzte Zeitung, 03.09.2007

Nur auf die Blutdruckwerte zu schauen - das reicht nicht

Für die Entscheidung, ob antihypertensiv behandelt wird, muss das kardiovaskuläre Risiko berücksichtigt werden

WIEN (Rö). Bei der Entscheidung, ob Patienten eine antihypertensive Therapie benötigen, soll nach den neuen europäischen Leitlinien stark berücksichtigt werden, wie hoch das kardiovaskuläre Risiko ist. Ist es stark erhöht, kann das durchaus bedeuten, dass auch bei hochnormalen Blutdruckwerten bereits eine blutdrucksenkende Therapie infrage kommt.

Sogar bei als normal angesehenen Blutdruckwerten ist das manchmal der Fall. Denn Ziel muss sein, bei Patienten mit einem hohen kardiovaskulären Risiko Morbidität und Sterberate zu reduzieren. Daran hat Professor Peter Dominiak am Wochenende bei einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis beim Europäischen Kardiologen-Kongress in Wien erinnert.

Der Hypertonie-Spezialist von der Universität Lübeck berief sich dabei auf die kürzlich publizierten gemeinsamen neuen Leitlinien der Europäischen Hypertonie-Gesellschaft und der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie. Kritisch kann die Situation vor allem bei Patienten mit hochnormalen systolischen Blutdruckwerten zwischen 130 und 139 mmHg und hochnormalen diastolischen Blutdruckwerten zwischen 85 und 89 mmHg sein.

Haben diese Patienten einen Diabetes, eine koronare Herzkrankheit oder bereits einen Nierenschaden, sollten sie medikamentös antihypertensiv behandelt werden, heisst es in den Leitlinien. Bei Patienten mit drei kardiovaskulären Risikofaktoren sollte eine solche Therapie erwogen werden. Und Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder Nierenerkrankung brauchen bereits eine Therapie, wenn ihr systolischer Blutdruck zwischen 120 und 129 und ihr diastolischer zwischen 80 und 84 mmHg liegt.

Dass Pharmakotherapie bei Patienten mit hochnormalen Blutdruckwerten die Hypertonie-Inzidenz mindern kann, ist bereits durch Studien belegt, erinnerte Dominiak. So haben etwa in der PHARAO*-Studie mit Ramipril (vom Unternehmen als Delix® protect angeboten) von 155 behandelten Patienten in drei Jahren 31 Prozent eine Hypertonie bekommen, von 216 mit Placebo jedoch 43 Prozent. Dieser Unterschied ist signifikant.

*PHARAO steht für: Prevention of Hypertension with the ACE-Inhibitor Ramipril in Patients with high normal Blood Pressure

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

"Manche Wortwahl irritiert mich sehr"

Gesundheitsminister Spahn wird wegen des TSVG von Ärzten kritisiert. Im Interview mit der "Ärzte Zeitung" betont er: Es wird mit Falschinformationen Stimmung gemacht. mehr »

Galenus-Gala 2018 – Das sind die Gewinner

Was zeichnet innovative Arzneimittelforschung aus? Vier Medikamente und eine Forschergruppe erhalten den Galenus-von-Pergamon-Preis 2018. Für beispielhaftes soziales Engagement wurde zudem der CharityAward verliehen. mehr »

CharityAward für Zahnarzt im Waschsalon

Mit dem CharityAward zeichnet Springer Medizin Engagement von Menschen aus, die sich ehrenamtlich um hilfsbedürftige Menschen kümmern. Die diesjährigen Preisträger sind nun gekürt worden. mehr »