Direkt zum Inhaltsbereich

Erwachsene verlieren Schutz vor Keuchhusten

MÜNCHEN (wst). Dank genereller Impfempfehlung und der Verfügbarkeit gut verträglicher azellulärer Pertussis-Impfstoffe werden heute in Deutschland über 90 Prozent aller Säuglinge und Kleinkinder ab dem 3. Lebensmonat mit vier Injektionen regelrecht gegen Keuchhusten immunisiert. Allerdings besteht die Gefahr, daß der Schutz nach zehn bis 15 Jahren wieder verlorengeht.

Veröffentlicht:

Bisher sieht der Impfkalender der STIKO (Ständige Impfkommission) lediglich im Alter zwischen 9 und 17 Jahren eine einmalige Auffrischungsimpfung gegen Keuchhhusten möglichst zeitgleich mit einer Auffrischung gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung vor. Mit dem ab 25. Mai 2004 in Deutschland erhältlichen sicheren und gut verträglichen Vierfachimpfstoff Boostrix® Polio läßt sich dies mit nur einer Injektion realisieren.

Selbst wer bereits Keuchhusten gehabt hatte, ist entgegen Lehrbucheintragungen nicht lebenslang vor einer erneuten Erkrankung sicher, sondern kann schon nach zehn bis 15 Jahren eine Reinfektion bekommen. Dies hat Professor Christel Hülße vom Landesgesundheitsamt Rostock bei einem Mittags-Round-Table beim Unternehmen GlaxoSmithKline in München betont.

Auch wenn Keuchhusten-Zweitinfektionen oder Erstinfektionen nach einer Schutzimpfung bei Erwachsenen milde verlaufen und häufig als hartnäckiger Reizhusten fehlinterpretiert werden, kommen die Betroffenen als gefährliche Infektionsquelle für noch nicht geimpfte Säuglinge in Frage. Denn anders als bei den meisten Kinderkrankheiten habe der Nachwuchs gegen den Pertussiserreger keinen effektiven Nestschutz und sei deshalb in der Latenzzeit bis zur Immunität nach einer Impfung stark gefährdet, warnte Hülße. Vor allem im ersten Lebenshalbjahr ist Keuchhusten eine potentiell tödliche Infektionskrankheit.

In der STIKO wird deshalb derzeit heftig darüber diskutiert, ob nicht alle Personen, die absehbaren Kontakt zu einem Neugeborenen haben, wie Eltern, Großeltern und andere enge Verwandte und Bekannte, rechtzeitig eine Auffrischungsimpfung gegen Pertussis erhalten sollen. Hülße meint, daß noch in diesem Jahr entsprechende Empfehlungen an die Öffentlichkeit gehen könnten.

Mehr zum Thema

Sie fragen – Experten antworten

Kann sich Herpes zoster nach der Varizellen-Impfung entwickeln?

Pharmazeutische Dienstleistungen

Nachfrageschub für Grippeimpfung in Apotheken – aber auf Niedrigstniveau

Das könnte Sie auch interessieren
Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

© Getty Images

STIKO-Empfehlungen

Kommission fordert Grippeimpfung auch für gesunde Kinder

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

© Aitor Diago | Getty Images

Wer, wann, womit?

Die häufigsten Praxisfragen zur Influenzaimpfung

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

© Viatris-Gruppe Deutschland

Update

Neue Podcast-Folgen

Grippeschutz in der Praxis – Jetzt reinhören!

Anzeige | Viatris-Gruppe Deutschland
Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

© AndreasReh, Ljupco, tinydevil, shapecharge | istock

rHWI

Überzeugende Real-World-Daten zur Langzeitprophylaxe

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

© Dr_Microbe | Adobe Stock

In vitro-Studien

Antibiotikum mit antimykotischen Zusatznutzen

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema

T2D-Therapie jetzt auch mit Semaglutid 2 mg

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma Gmbh, Mainz
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Erfolgreiche Überbrückung bis zur Transplantation

Schwer an ARDS Erkrankter überlebt Entfernung beider Lungenflügel

Anpassungsvorgänge brauchen Zeit

Höhenkrankheit bei Kindern und Jugendlichen: Das gilt es zu beachten

Lesetipps
Ein Mann liegt im Bett und schaut auf sein Handy.

© Andrii Lysenko / Stock.adobe.com

Insomnie

Wie sich schlechter Schlaf auf Schmerzen auswirkt

Die Ärzte Zeitung ist jetzt auch auf Instagram aktiv.

© prima91 / stock.adobe.com

Social Media

Folgen Sie der Ärzte Zeitung auf Instagram