Ärzte Zeitung, 03.06.2005

Impfung schützt vor Herpes Zoster und postherpetischer Neuralgie

Vakzine mit attenuierten Varizella-Zoster-Viren reduziert Infekthäufigkeit deutlich

SAN DIEGO (run). US-amerikanische Wissenschaftler haben bei Probanden über 60 Jahre erfolgreich einen Impfstoff zum Schutz vor Gürtelrose und ihren Folgeerscheinungen erprobt.

Gerade älteren Patienten könnte eine Zoster-Vakzine nutzen, da es bei ihnen häufig Spätfolgen gibt. Foto: dpa

Die Häufigkeit von Herpes-Zoster-Erkrankungen nimmt bekanntlich mit dem Alter deutlich zu. Zudem leidet unter den älteren Patienten fast die Hälfte an postherpetischen Komplikationen, etwa einer Neuralgie.

US-amerikanische Forscher haben daher in einer kontrollierten Studie bei über 38 000 Probanden, die mindestens 60 Jahre alt waren, den Nutzen einer Impfung mit einem neuen Impfstoff mit attenuierten Varizella-Zoster-Viren getestet.

Wie der Leiter der Studie, Dr. Michael N. Oxman aus San Diego, jetzt im "New England Journal of Medicine" (2005, 352, 2271) berichtet, wurde zwischen Ende 1998 und September 2001 einmalig subkutan mit 0,5 ml einer hochpotenten Zoster-Vakzine "Oka/Merck VZV vaccine" (nicht auf dem Markt) oder Placebo geimpft.

Bis April 2004 wurde dann monatlich der Gesundheitszustand aller Studienteilnehmer erfragt. Bei möglichen Symptomen einer Gürtelrose wurden sie an einen Arzt überwiesen und bei Bestätigung der Diagnose mit Famaciclovir und Analgetika behandelt.

Die Auswertung der Erkrankungszahlen am Studienende ergab einen deutlichen Nutzen der Impfung. So wurde bei 642 Teilnehmern in der Placebogruppe eine Zoster-Infektion nachgewiesen, aber nur bei 315 in der gleichgroßen Impfgruppe. In beiden Gruppen wurde ähnlich häufig antiviral behandelt.

Eine postherpetische Neuralgie trat dennoch bei 80 Patienten unter Placebo, aber nur bei 27 geimpften Patienten auf. Auch der Score, mit dem die gesundheitliche Belastung der Patienten durch die Zoster-Infektion erfaßt wurde, war bei den Geimpften signifikant geringer.

Besonders ausgeprägt war der Erkrankungsschutz bei den Probanden unter 70 Jahren. Das Komplikationsrisiko wurde vor allem bei den älteren gemindert. Die Impfung wurde insgesamt gut vertragen. Es seien überwiegend lokale Reaktionen aufgetreten, so die Wissenschaftler.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Abwarten schlägt Op

Zumindest in den ersten sechs Jahren nach Diagnose haben Männer mit lokalisiertem Prostata-Ca eine bessere Lebensqualität, wenn sie sich nicht unters Messer legen. mehr »

No deal-Brexit? Dieses Szenario lässt NHS-Angestellte schaudern

Je mehr Zeit in ergebnislosen Verhandlungen verrinnt, desto nervöser werden Beschäftigte vor allem im Gesundheitswesen. Ein Brexit ohne Vertrag mit der EU? Im NHS fürchtet man in diesem Fall ein Desaster. mehr »

Der reine Telearzt kommt

Fernbehandlung ohne Erstkontakt in der Praxis? Im Ländle wird dieses Modell jetzt erstmals getestet. Die Kammer dort hat gerade das erste Projekt genehmigt. mehr »