Ärzte Zeitung, 22.10.2007

KOMMENTAR

Kein Zögern bei der Grippe-Impfung

Von Michael Hubert

Mit 60 Jahren läuft keiner mehr die 100 Meter unter zehn Sekunden. Auch das Immunsystem wird im Alter leistungsschwächer - ein Dilemma: Denn mit dem Alter steigt bei einer Infektion mit Influenza-Viren die Gefahr für schwere Verläufe und für Komplikationen; gleichzeitig fällt die Immunantwort auf die Impfung geringer aus.

Diese Erkenntnis spricht aber keineswegs gegen die Grippe-Impfung für ältere Menschen, sondern vielmehr dafür. Auch wenn der Schutz nicht 100-prozentig ist: Menschen über 60 Jahre profitieren eindeutig von der Impfung. Das hat eine Studie jetzt erneut eindrucksvoll bestätigt.

Für Kollegen gibt es daher keinen Grund, sich verunsichern zu lassen. Etwa durch Berichte über eine andere Studie, aufgrund derer die Autoren zwar den Nutzen einer Influenza-Impfung bei Älteren nicht infrage stellen, jedoch davor warnen, diesen Nutzen aufgrund unspezifischer Studienendpunkte - wie die Gesamtsterberate - überzubewerten.

Vier Konsequenzen ergeben sich: Erstens muss den Patienten gesagt werden, was die Grippe-Impfung leistet und was nicht. Zweitens kann der Schutz vor schweren Atemwegsinfekten mit einer zusätzlichen Pneumokokken-Impfung (alle sechs Jahre) erhöht werden. Drittens ist auch bei geimpften Patienten mit typischen Grippe-Symptomen die Verordnung eines Neuraminidase-Hemmers zu erwägen. Und: Eine vorherige Zink-Supplementierung kann die Impfantwort steigern.

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