Ärzte Zeitung, 06.10.2008

Kommentar

Letzte Schatten der Schluckimpfung

Von Wolfgang Geissel

"Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist grausam". Dieser Slogan steht in Deutschland für eine beispiellose Erfolgsstory einer hochwirksamen Vakzine gegen eine Viruskrankheit. Durch die Impfung sank in den 1960er Jahren die Inzidenz der Poliomyelitis in Deutschland von mehreren tausend Erkrankungen jährlich auf eine Handvoll. Weltweit wurden seither Poliomyelitis-Wildviren in den meisten Ländern mit dem Impfstoff eradiziert. Selbst heute noch ist die orale Poliovakzine die Basis von Impfprogrammen in Entwicklungsländern.

Diese Fakten sollte man sich vor Augen halten, wenn heute über die Schluckimpfung geurteilt wird. Denn deren Schutz hat seinen Preis: Statistisch kommt auf 4,5 Millionen Impfungen eine Polio-Erkrankung durch die Impfviren. Dieses Risiko ist bei uns nur so lange vertretbar gewesen, wie es deutlich mehr Erkrankungen durch die Wildviren gab.

Vor gut zehn Jahren wurde deshalb auf die inaktivierte Poliovakzine - bei der es keine Impfpolio geben kann - gewechselt. Es wird Zeit, dass möglicherweise Impfgeschädigte endlich wissen, ob sie Anspruch auf eine Entschädigung haben. Die Entscheidung des Bundessozialgerichts dazu war leider nur ein weiterer Schritt hin zur Rechtssicherheit.

Lesen Sie dazu auch:
Rentenanspruch auch bei fehlender Impfempfehlung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bei Diabetikern wird der HbA1c-Wert nicht oft genug kontrolliert

Eigentlich sollten Ärzte mindestens zweimal im Jahr den HbA1c-Wert bei Typ-2-Diabetikern bestimmen. Bei jedem vierten Patienten messen sie ihn aber nur einmal oder gar nicht. mehr »

SPD will "Ende der Zwei-Klassen-Medizin"

14:10 Nach der knappen Abstimmung pro GroKo-Verhandlung geht es nun darum, die auf dem SPD-Parteitag angesprochenen "Nachbesserungen" in den Koalitionsvertrag reinzuverhandeln. KBV und Hartmannbund reagieren skeptisch. mehr »

Beunruhigend hohe Zahlen in der Altenpflege

Altenpflegekräfte fehlen fast doppelt so oft wegen psychischer Erkrankungen wie andere Beschäftigte, heißt es im länderübergreifenden Gesundheitsbericht für Berlin und Brandenburg. mehr »