Ärzte Zeitung online, 30.12.2014
 

In Europa

Grippewelle noch nicht in Sicht

Zwar steigt in Europa derzeit die Zahl der Influenza-Infektionen. Es gibt aber noch keinen Hinweis auf den Beginn der Grippesaison. In anderen Teilen der Welt sieht das anders aus.

Grippewelle noch nicht in Sicht

Die Grippewelle hat in Europa bislang noch nicht begonnen.

© Pixland / Pixland / Thinkstock

BERLIN. Noch hat die Grippewelle nicht begonnen - zumindest in Europa. Bei den in der aktuellen Wintersaison 2014/2015 zirkulierenden Influenzaviren dominieren bisher Influenza A(H3N2)-Viren.

Das hat eine Risikoeinschätzung des ECDC (European Centre for Disease Prevention and Control) vom 22. Dezember ergeben, meldet die "Arbeitsgemeinschaft Influenza" am Robert Koch-Institut in Berlin.

In früheren Saisons seien häufig schwere Influenzawellen beobachtet worden, wenn dieser Subtyp dominierte, auch vermehrt Ausbrüche mit schweren Krankheitsverläufen in Altersheimen seien verzeichnet worden.

Nach bisherigen Daten aus der europäischen virologischen Surveillance, der allerdings noch nicht viele Charakterisierungsergebnisse zugrunde liegen, stimmten etwa zwei Drittel der A(H3N2)-Viren nicht gut mit der A(H3N2)-Komponente im Influenzaimpfstoff überein, so dass mit einer reduzierten Wirksamkeit gerechnet werden müsse, so die AGI.

ECDC: Impfstoffe schützen

Die Influenza A(H1N1)pdm09-Viren stimmten hingegen gut mit der entsprechenden Impfstoffkomponente überein. Alle bisher daraufhin untersuchten Influenzaviren seien empfindlich gegen antivirale Arzneimittel (Neuraminidasehemmer).

Das ECDC schlussfolgert, dass trotz der erwarteten niedrigen Impfeffektivität gegen das Influenza A(H3N2)-Virus die aktuellen tri- und quadrivalenten Influenzaimpfstoffe gegen die anderen zirkulierenden Influenzaviren schützen und fordert weiterhin dazu auf, sich gegen Influenza impfen zu lassen, wie die AGI mitteilt.

Das ECDC weise aber, wie bereits die US-amerikanischen CDC seit mehreren Wochen, darauf hin, dass Ärzte immer auch die spezifische antivirale Behandlung oder den gezielten Einsatz von antiviraler Postexpositions-Prophylaxe bei Risikopatienten in Erwägung ziehen sollten.

In anderen Ländern steigende Grippezahlen

Nach den Ergebnissen der globalen Influenzasurveillance (WHO-Update) wurde in den Ländern der gemäßigten Zone der nördlichen Hemisphäre über eine steigende Influenza-Aktivität berichtet, wie die AGI weiter mitteilt.

Während in Nordamerika der saisonale Grenzwert bereits überschritten worden sei mit überwiegend Influenza A(H3N2)-Nachweisen, habe es in Europa bei ebenfalls steigenden Werten noch keinen Hinweis auf den Beginn der Influenzasaison gegeben. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gegen Husten taugen Medikamente wenig

Abwarten und Tee trinken, mehr wollen US-Experten gegen erkältungsbedingten Husten nicht empfehlen. Allenfalls etwas Honig bei Kindern halten sie noch für geeignet. mehr »

Erst krebskrank, dann Hypertoniker

Überlebende von Krebserkrankungen in der Kindheit tragen ein erhöhtes Hypertonierisiko: Im Alter von 50 Jahren sind 70 Prozent betroffen. mehr »

Macht das Stadtleben krank?

Stadtluft kann Schizophrenie begünstigen, glauben Wissenschaftler. Ein Chefarzt der Charité fordert deshalb eine Public-Mental-Health-Strategie für urbane Räume. mehr »