Ärzte Zeitung, 21.09.2015

Kommentar zu Influenza-Impfstoffen

Durchaus ein Skandal!

Von Thomas Meißner

Würden Sie Ihrem Kind den Fahrradhelm eines Erwachsenen auf den Kopf setzen, in der Hoffnung, er werde schon ausreichend schützen?

Die Ausschreibungspraxis von Influenzaimpfstoffen in Deutschland verhindert, dass differenziert geimpft werden kann, und zwar aus rein ökonomischen Erwägungen heraus. Das ist Deutschlands unwürdig, es ist unnötig, unethisch, ja unverantwortlich!

Denn es wird ausgerechnet den - zu wenigen - impfwilligen Menschen ein womöglich für sie ungeeigneter, vermindert wirksamer Impfstoff zugemutet. Angesichts bekannter Hospitalisierungs- und Exzesssterblichkeitsraten wird potenzieller Schaden an Leib und Leben in Kauf genommen, übrigens auch volkswirtschaftlicher Schaden. Das darf man ruhig Skandal nennen!

Hoffentlich wird die Quittung dafür nicht diesen Winter präsentiert: Unzureichender Schutz der Bevölkerung; hunderttausende Flüchtlinge strömen nach Deutschland, geschwächt, mancher chronisch krank, untergebracht in provisorischen Gemeinschaftsunterkünften.

Außer Grundimmunisierungen brauchen diese Menschen auch den Grippeschutz. Ansonsten wären Ausbrüche nicht auszuschließen. Gibt es genügend Impfstoff? Die Märkte werden von den Herstellern nach kalkuliertem Bedarf versorgt. So sind wir gefangen in niedrigen Impfraten - und einer unmöglichen Impfpraxis.

Lesen Sie dazu auch:
Grippe-Impfung: Ausschreibungspraxis "skandalös"

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