Ärzte Zeitung, 23.08.2006

Mit Carmustin-Implantaten leben Gliom-Kranke länger

Studie mit 240 Patienten / Implantation in Op-Höhle

HAMBURG (ner). Patienten mit malignen Gliomen, die Zytostatikum-Implantate erhalten, leben signifikant länger als Patienten, die nach der Tumorentfernung nur bestrahlt werden. Die Implantate werden unmittelbar nach chirurgischer Entfernung der Gliome in die Resektionshöhle eingelegt, wo sie Resttumorzellen zerstören sollen.

Das Zytostatikum-Implantat enthält Carmustin in einer bioabbaubaren Polymermatrix. Foto: Link Pharmaceuticals

Wenn Patienten mit primären malignen Gliomen zusätzlich zur Operation und zur Bestrahlung systemische Chemotherapien bekommen, kann die mittlere Überlebenszeit von vier bis fünf Monaten verlängert werden. Eine andere lebensverlängernde, gut verträgliche Option ist es, nach der Tumor-Operation in die Resektionshöhle Carmustin-freisetzende Implantate (Gliadel® Implantat) einzusetzen.

Dann liegt die mediane Überlebenszeit bei 14 Monaten im Vergleich zu knapp 12 Monaten mit Placebo, wie eine aktuelle Studie mit 240 Patienten ergeben hat. Die Langzeitresultate der Studie haben jetzt Professor Manfred Westphal aus Hamburg-Eppendorf und seine Kollegen publiziert (Acta Neurochir 148, 2006, 269).

In der Studie lebten 59 Prozent der Patienten in der Carmustin-Gruppe länger als ein Jahr (Placebo: 49 Prozent), 16 Prozent länger als zwei Jahre (Placebo: acht Prozent), und neun Prozent lebten länger als drei Jahre (Placebo: knapp zwei Prozent).

Mit der lokalen Chemotherapie werden im Gewebe hohe Wirkstoffkonzentrationen erreicht, die nach Angaben des Herstellers Link Pharmaceuticals bis zu 100mal größer sind als bei systemischen Chemotherapien. Zudem wird das Problem der systemischen Toxizität vermieden.

Das Implantat enthält 7,7 mg Carmustin in einer bioabbaubaren Polymermatrix. Bis zu acht Implantate können eingelegt werden. Derzeit verhandeln mehr als 40 regionale Krankenhäuser mit den Kostenträgern über die Finanzierung der Implantat-Therapie (NUB-Finanzierung, also zusätzliches Entgelt für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden). Das teilte der Hersteller mit.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Angst vor Stürzen sorgt für Verzicht auf Antikoagulans

Ein erhöhtes Sturzrisiko ist noch immer der häufigste Grund, auf eine orale Antikoagulation bei Vorhofflimmern zu verzichten. mehr »

"Mehr Geld für Kranke, weniger für Gesunde"

15:47Die Verteilungsregeln für den Finanzausgleich zwischen den Krankenkassen sollen deutlich verändert werden. Das hat ein Expertenkreis beim Bundesversicherungsamt jetzt vorgeschlagen. Die Meinung der Kassen ist geteilt. mehr »

Warum der Zuckersirup zum dicken Problem werden könnte

Seit Anfang Oktober gibt es in der EU keine Quotenregelung mehr für die aus Mais, Getreide oder Kartoffeln gewonnene Isoglukose. Experten befürchten eine Zunahme von Übergewicht und Diabetes. mehr »