Ärzte Zeitung online, 16.06.2017
 

Landeskrebsregister

Thüringen stellt Weichen mit Verzögerung

In Thüringen sind in den vergangenen 25 Jahren fünf regionale Krebsregister entstanden. Jetzt soll Behandlungsqualität vergleichbar gemacht werden.

ERFURT. In Thüringen kommt das geplante landesweite klinische Krebsregister nach langer Verzögerung nun endlich voran. Das Landesgesundheitsministerium brachte jetzt einen entsprechenden Gesetzentwurf im Kabinett ein.

Das Register soll bestimmte, für die Beurteilung der Behandlungsqualität bei Krebs wichtige Kriterien aus den fünf Thüringer Tumorzentren zusammenführen und Behandlungsqualität damit vergleichbar machen.

Nach der Zustimmung durch das Kabinett muss das Register-Gesetz noch vom Landtag beschlossen werden – was ursprünglich schon 2015 passieren sollte. Dies verzögerte sich jedoch mehrfach, vor allem wegen der hohen Anforderungen an den Datenschutz. Deshalb war laut Ministerium der Abstimmungsprozess unter den Tumorzentren aufwendiger ausgefallen als ursprünglich erwartet.

Verschiedene Register

In Thüringen sind in den vergangenen 25 Jahren fünf regionale Krebsregister entstanden – an den Tumorzentren in Erfurt, Jena, Suhl, Gera und Nordhausen.

Die regionalen Zentren sollen das Landesregister im Auftrag der Landesregierung gemeinsam betreiben. Als Rechtsform ist eine GmbH vorgesehen, die ihren Sitz in Jena – Standort des einzigen Universitätsklinikums Thüringens – haben soll. Das Land kooperiert dabei mit der Thüringischen Krebsgesellschaft.

Im Landeskrebsregister, mit dem Thüringen eine Verpflichtung aus dem Krebsfrüherkennungs- und –registergesetz des Bundes umsetzt, sollen alle wichtigen Daten über den Behandlungsprozess gesammelt werden. Dazu gehören Diagnose, angewandte Therapieverfahren, Nachsorge, Komplikationen, Rückfälle und Todesfälle. Die Daten werden von den behandelnden Ärzten eingespeist.

Die Kosten des Registeraufbaus bezifferte das Ministerium auf 350.000 Euro. Davon tragen das Land 150.000 Euro und die Deutsche Krebshilfe 200.000 Euro. Den laufenden Betrieb finanzieren die Krankenkassen mit bis zu 90 Prozent und das Land mit zehn Prozent. Jährlich erkranken etwa 15.000 Thüringer an einem bösartigen Tumor. (zei)

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