Ärzte Zeitung online, 17.07.2018

Forschung

Risikofaktor für Darmkrebs entschlüsselt

Dauerstress fürs Gewebe und Umprogrammierung der Immunabwehrzellen: Kölner Forscher haben den Zusammenhang zwischen Übergewicht und Tumorwachstum aufgeklärt.

Risikofaktor für Darmkrebs entschlüsselt

Nicht nur die Psyche reagiert unter Stress: Zellen werden durch die permanente Einlagerung von Fett in einen Stresszustand versetzt.

© doomu / stock.adobe.com

KÖLN. Übergewichtige haben bekannterweise ein höheres Risiko für Darmkrebs als Personen mit normalem Gewicht. Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln entschlüsselten nun Zusammenhänge dieses Phänomens (Nature Communications 2018; online 25. April) und liefern so die Grundlage für neue Therapieansätze, wie das Kölner Institut mitteilt.

"Wenn der Körper immer mehr überschüssiges Fett speichern muss, entsteht im Fettgewebe eine Stressreaktion", wird Forschungsgruppenleiter Privatdozent Dr. Thomas Wunderlich zitiert. Die Stressreaktion alarmiert die körpereigene Immunabwehr, die wiederum im Fettgewebe eine Entzündung auslöst.

Anhaltendes Übergewicht versetzt den Körper in Dauerstress, die Entzündung breitet sich über das Blut im ganzen Körper aus.

Dauerstress programmiert Zellen um

Dies führe letztlich zu einer Umprogrammierung von Zellen der Immunabwehr, die dadurch Krebszellen nicht mehr bekämpfen, sondern ihr Überleben fördern und so das Tumorwachstum unterstützen, berichtet das Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung. Erstautorin Dr. Claudia Wunderlich betont aber: "Nur weil man dick ist, erkrankt man noch lange nicht an Krebs. Doch sollten entartete Zellen im Körper vorhanden sein, begünstigt Übergewicht das Tumorwachstum."

Die Studie gibt aber nicht nur Aufschluss darüber, wie Übergewicht und Darmkrebs zusammenhängen. "Anhand von Mausmodellen konnten wir spezifische Angriffspunkte für mögliche Therapieansätze beim Menschen herausarbeiten", so Dr. Claudia Wunderlich.

In übergewichtigen Mäusen hätten die Forscher das Erkrankungsrisiko bereits senken können, heißt es in der Mitteilung. Hierzu eliminierten sie zum einen spezielle Immunzellpopulationen, zum anderen veränderten sie die Genetik der Tiere so, dass bestimmte Immunzellen trotz fettreicher Ernährung nicht mehr umprogrammiert werden konnten.

In beiden Fällen schwächte sich die Entzündung ab, entartete Zellen wurden wieder bekämpft und die Darmkrebsentwicklung vermindert. (eb)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »