Onkolytische Therapie

Viren gegen Leberkrebs

Bei Patienten im fortgeschrittenen Leberkrebsstadium kann die Behandlung mit einem onkolytischen Vacciniavirus die Lebenszeit deutlich verlängern.

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Sieht noch gut aus.

Sieht noch gut aus.

© Springer Verlag

LA JOLLA. Bei Patienten, die sich in einem fortgeschrittenen Leberkrebsstadium befinden und bei denen die Therapie mit Sorafenib nicht angeschlagen hat, kann die Behandlung mit einem onkolytischen Vacciniavirus doch noch die Lebenszeit deutlich verlängern.

Das ist erstmals in einer kleinen US-Studie belegt worden, in der ein gentechnisch verändertes Virus verwendet worden war.

Sowohl die transarterielle Chemoembolisation als auch die systemische Therapie mit dem Tyrosinkinasehemmer Sorafenib gelten als Standard in der Therapie von Patienten mit hepatozellulärem Karzinom bei multiplen Herden.

Im Stadium N1M1 ist die Behandlung mit Sorafenib Standard. Nachdem sich in einer Phase-1-Studie herausgestellt hatte, dass durch die Therapie mit dem onkolytischen Virus JX-594 von dem US-Unternehmen Jennerex bei soliden Tumoren ein komplettes Ansprechen sowie eine systemische Wirkung erzielt werden können, prüften südkoreanische und US-amerikanische Onkologen die Wirksamkeit der intratumoralen Injektion des gentechnisch veränderten Vacciniavirus in niedrigen und hohen Dosierungen.

Zunächst waren 49 Patienten mit Leberzellkrebs in die Studie einbezogen worden. Bereits früh zeichnete sich ein deutlich höherer Nutzen der Therapie in hoher Dosierung ab, wenn es um den Parameter Überleben ging, sodass die Aufnahme von Patienten gestoppt wurde.

Für eine ausreichende statistische Aussagekraft reichten schließlich insgesamt 30 Patienten, 16 bekamen eine hohe und 14 eine niedrige Virusdosis intratumoral injiziert (Nature Medicine 2013; online 10. Februar).

Die meisten Tumoren waren im fortgeschrittenen BCLC-Stadium C (Barcelona Clinic Liver Cancer), also Stadium N1M1 plus Gefäßinvasion.

Das verwendete Virus wurde genetisch mit dem Gen für den Wachstumsfaktor GM-CSF sowie für das Enzym ß-Galaktosidase ausgestattet.

Der Wachstumsfaktor dient der Immunstimulation und das Gen für das Enzym als Marker für die Vermehrung des Virus. Im Abstand von jeweils zwei Wochen wurde die Virussuspension innerhalb von vier Wochen dreimal intratumoral injiziert.

Insgesamt betrachtet wurde die Behandlung gut vertragen. Bereits 15 Minuten nach der Injektion tauchte das Virus in höchster Konzentration im Blut auf.

Außer dem etwa anhand modifizierter RECIST-Kriterien (Response Evaluation Criteria In Solid Tumors) beurteilten Ansprechen auf die Therapie, das in den beiden Dosierungsgruppen gleich groß war, ermittelten die Ärzte die Überlebenszeit.

Sie war bei Patienten mit hoher Dosierung mit 14,1 Monaten signifikant höher als in der Vergleichsgruppe mit 6,7 Monaten (Hazard Ratio 0,39; p = 0,020). Zum Vergleich: In einer aktuellen Phase-3-Studie mit Sorafenib lag die mediane Überlebensrate zwischen zwei und vier Monaten.

Nach einem Jahr lebten noch 66 Prozent der Behandelten in der Hochdosisgruppe, in der Vergleichsgruppe waren es nur 23 Prozent. Die Überlebensrate nach eineinhalb Jahren betrug 35 versus elf Prozent.

Die 19 Patienten mit mehreren Tumorherden überlebten median nur halb so lange wie die zehn Patienten mit nur einem Herd in der Leber (8,8 versus 16.6 Monate).

Außer den verbesserten Überlebensraten im Vergleich zur Standardtherapie konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass die Virustherapie auch eine antitumorale Immunabwehr induzierte, gemessen anhand der humoralen und zellulären Immunität.

In-vitro-Tests bestätigten, dass elf von 16 Patienten (69 Prozent) eine komplementabhängige Zytotoxizität gegen Tumorzellen entwickelten.

Außerdem beobachteten die Mediziner in der Bildgebung eine Verringerung der Tumorgefäße und eine Nekrotisierung, auch bei Tumorherden, die nicht injiziert worden waren.

Bei einem Patienten entdeckten die Ärzte in einem nekrotisierten Tumor eineinhalb Jahre nach der letzten Virusinjektion eine diffuse Lymphozyteninfiltration.

Ermutigt durch diese Studienergebnisse empfehlen die Ärzte, den Effekt der Therapie mit dem onkolytischen Virus in einer größeren placebokontrollierten Studie zu überprüfen.

Andere Studien laufen bereits, etwa die Studie NCT01387555, in der die onkolytische Therapie plus Best Supportive Care mit der Wirksamkeit von Best Supportive Care verglichen wird. Außerdem gibt es Studien, an denen Patienten mit anderen soliden Tumoren teilnehmen, etwa mit einem kolorektalen Karzinom. (ple)

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