Ärzte Zeitung, 16.03.2004
 

Effekt von Exemestan auf die Knochen wird jetzt geprüft

Frauen mit Brustkrebs werden zwei Jahre lang adjuvant mit dem Aromatasehemmer behandelt / Substanz hat steroidähnliche Struktur

BERLIN (grue). Der Aromatasehemmer Exemestan wird derzeit in adjuvanten Therapiestudien bei Brustkrebs im Vergleich zur Standardtherapie mit Tamoxifen geprüft. Dabei geht es auch um die Verträglichkeit der steroidähnlichen Substanz.

Exemestan (Aromasin®) hat im Gegensatz zu den Aromatasehemmern Anastrozol und Letrozol eine Steroid-ähnliche Struktur und könnte Frauen nach der Menopause besser vor Frakturen schützen als eine Behandlung mit den anderen Substanzen.

"Anastrozol war in der ATAC-Studie (Arimidex® Tamoxifen Alone or in Combination) zwar dem Tamoxifen bei der krankheitsfreien Überlebenszeit überlegen, die Frakturrate war allerdings höher", sagte Professor Olaf Ortmann aus Regensburg beim Krebskongreß in Berlin. Solche Probleme könnten mit Exemestan möglicherweise vermieden werden, sagte der Gynäkologe auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer.

Bei Tieren konnte Exemestan Knochenmasseverluste nach einer Ovarektomie fast vollständig kompensieren. In einer Studie mit gesunden Frauen in der Postmenopause unterschied sich dieses Medikament auch im Knochenmarkerprofil nicht wesentlich von Placebo. Die Wirkung des Aromatasehemmers am Knochen wird deshalb jetzt in einer adjuvanten Zwei-Jahres-Studie bei 140 postmenopausalen krebskranken Frauen mit niedrigem Rezidivrisiko im Vergleich zu Placebo geprüft.

Viel größer angelegt sind die adjuvanten Therapiestudien mit Exemestan, in denen Überlebensvorteile belegt werden sollen. Eine der größten Studien ist TEAM (Tamoxifen and Exemestane Adjuvant Multicenter Study), in der der direkte Vergleich zwischen einer adjuvanten fünfjährigen Exemestan- oder Tamoxifen-Therapie gewählt wurde. An der Studie nehmen 6150 Frauen nach der Menopause teil.

In Substudien wird der Effekt von Exemestan auf Endometriumschleimhaut, Lipid- und Knochenstoffwechsel und Lebensqualität geklärt. Zwischenergebnisse werden noch in diesem Jahr erwartet. Eine gerade im NEJM (350, 2004, 1081) publizierte Studie mit 4742 Frauen mit Brustkrebs hat ergeben, daß die krankheitsfreie Überlebensrate nach drei Jahren mit Exemestan als Adjuvans höher ist als mit Tamoxifen (wir berichteten).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Es kommt Schwung in die Entwicklung neuer Psychopharmaka

Bald könnte es einen Schub für die Entwicklung neuer Psychopharmaka geben. Denn Forscher finden immer mehr über die Entstehung psychischer Erkrankungen heraus. mehr »

Spielt Krebs eine Rolle beim plötzlichen Kindstod?

Ein plötzlicher Kindstod bei einer unbekannten neoplastischen Erkrankung ist selten, aber kommt vor. Das ist das Ergebnis einer britischen Studie. mehr »

Patienten sollen Verdacht auf Nebenwirkung melden

Alle europäischen Arzneimittelbehörden fordern in einer gemeinsamen Kampagne Patienten auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. mehr »