Ärzte Zeitung, 08.04.2005

Sequentielle Brustkrebs-Therapie schont Knochen

Behandlung von Frauen in der Menopause zunächst mit Tamoxifen, danach mit dem Aromatase-Hemmer Exemestan 

DÜSSELDORF (grue). Die sequentielle adjuvante Hormontherapie bei Frauen in der Postmenopause mit Brustkrebs scheint relativ knochenverträglich zu sein. Dies gilt offenbar besonders für ein Schema, bei dem zuerst zwei bis drei Jahre mit Tamoxifen und danach für zwei bis drei weitere Jahre mit dem Aromatase-Hemmer Exemestan behandelt wird.

Die in der adjuvanten Brustkrebs-Therapie verwendeten Anti-Aromatase-Wirkstoffe unterdrücken die Östrogensynthese und erhöhen deshalb das Risiko für Osteoporose und Frakturen.

   Der Abbau und der Aufbau von Knochen werden stimuliert.
   

Die Gefahr steigt offenbar, je länger mit solchen Medikamenten behandelt wird. Experten wie Privatdozent Dr. Peyman Hadji aus Marburg plädieren daher dafür, Frauen mit hormonsensitivem Brustkrebs zunächst für etwa zwei Jahre mit dem knochenprotektiven Tamoxifen und danach für weitere drei Jahre mit einem Aromatase-Hemmer zu behandeln.

Eine so aufgebaute Sequenztherapie scheint sich auf die Knochen nicht wesentlich ungünstiger auszuwirken als eine über fünf Jahre durchgehende Tamoxifen-Therapie, so Hadji bei einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer in Düsseldorf.

Dies konnte in einer Studie mit dem Aromatase-Hemmer Exemestan (Aromasin®) gezeigt werden. Die Sequenztherapie mit dem steroidalen Wirkstoff verlängerte im Vergleich zu fünf Jahren Tamoxifen das krankheitsfreie Überleben; dieser Vorteil ging aber nicht zu Lasten der Knochengesundheit. "Zwar fiel die Knochendichte nach Umstellung auf Exemestan zunächst um etwa drei Prozent, dieser Absetzeffekt wurde aber wieder aufgefangen", sagte Hadji.

Exemestan wirke offenbar anders auf den Knochenstoffwechsel als nicht-steroidale Aromatase-Hemmer. "Die Substanz beschleunigt einerseits den Knochenabbau, scheint aber über andere Mechanismen auch den Knochenaufbau zu stimulieren".

Dennoch, so Hadji, sollte vor allem bei postmenopausalen Frauen vor Beginn einer endokrinen Brustkrebs-Therapie die Knochenmineraldichte bestimmt und bei erhöhtem Osteoporose-Risiko zum Beispiel mit einem Bisphosphonat behandelt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Mütter stellen früh die Weichen für Babys Gesundheit

Dicke Mutter = dickes Baby: Diese Gleichung geht oft auf - leider. Ernährungs-Experten tauschen sich daher auf einem Kongress über den frühen Einfluss der mütterlichen Ernährung u.a. auf das Diabetesrisiko des Kindes aus und geben Tipps. mehr »

Würden Ärzte Gröhe wählen?

In einer großen Umfrage fragten wir Ärzte: "Wenn der Bundesgesundheitsminister direkt vom Volk gewählt werden könnte, wen würden Sie wählen?" Lesen Sie hier die Antwort. mehr »

Bei Dauerschmerz leidet auch das Gedächtnis

Wird der Geist träger, geht das zulasten von Lebensqualität und Unabhängigkeit. Eine US-Studie hat den Einfluss anhaltender Schmerzen auf Kognition und Demenzrisiko untersucht. mehr »