Ärzte Zeitung online, 12.07.2017

Kasuistik

Wenn ein Patient einen grünen Kloß im Magen hat

Eine großes, graugrünes Gebilde und Druckgeschwüre im Magen offenbarte die Endoskopie bei einem 76-Jährigen mit Dyspepsiebeschwerden. Die Ärzte rückten dem Übeltäter mit der Brechstange zu Leibe.

Von Elke Oberhofer

Wenn ein Patient einen grünen Kloß im Magen hat

In Italien haben Ärzte einem Mann ein pflanzliches Bezoar aus dem Magen-Darm-Trakt operiert.

© yonibunga / stock.adobe.com

BARI. Der rüstige, ältere Herr, der sich in der Notaufnahme der Universitätsklinik Bari vorstellte, hatte zuvor lediglich über Magenschmerzen und Dyspepsie geklagt. Ansonsten war der 76-Jährige bis auf eine leichte Hypertonie bei bester Gesundheit. Auf dem Speiseplan stand häufig Gemüse, eine spezielle Diät verfolgte der Senior jedoch nicht (Int J Surg Case Reports 2017; online 14. Juni).

Bei der Endoskopie des oberen Gastrointestinaltrakts zeigte sich zunächst eine Grad-A-Ösophagitis. Im Magen fanden sich Druckgeschwüre am Angulus ventriculi, offenbar ausgelöst von einem dort sitzenden 10 cm großen graugrünen Gebilde. Die faserige Masse konnte dem äußeren Anschein nach als Phytobezoar identifiziert werden.

Statt Coladusche gleich zur Sache

In der Fachliteratur werden in solchen Fällen verschiedene Therapieansätze empfohlen: Dazu gehören Prokinetika und lytische Enzyme, insbesondere auch Spülungen mit Coca Cola (3 l über 12 h via Magensonde). Diese sollen dazu beitragen, den Bezoar aufzulösen und die nachfolgende endoskopische Fragmentation zu erleichtern.

Im vorliegenden Fall verzichteten die Ärzte auf die aufwendige Coladusche und schritt stattdessen gleich zur Tat: Mithilfe einer Polypektomieschlinge gelang es, den Kloß zu zerbröckeln. Dessen Überreste konnten mit einer forcierten Lavage aus dem Magen herausgespült werden.

Wie Dr. Ippazio Ugenti und seine Kollegen berichten, nahm das ganze Prozedere nicht mehr als zehn Minuten in Anspruch. Danach wurde der Patient nach Hause entlassen, mit einem Rezept für ein Prokinetikum, einen Protonenpumpenhemmer und Erythromycin (3 x 500 mg pro Tag über sieben Tage).

Keinerlei Überreste des Bezoars

Dieses Vorgehen rechtfertigen die Studienautoren damit, dass der Patient keinerlei Risikofaktoren aufgewiesen habe. So zeigte der 76-Jährige weder Blutungen in der Magenschleimhaut noch Hinweise auf eine Dünndarmobstruktion oder eine Motilitätsstörung.

Der Mann hatte zudem keine Magen-Operation in der Vorgeschichte und litt auch nicht an Diabetes oder einer anderen endokrinen Störung, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Publikation.

Ein halbes Jahr nach der Behandlung hatten die Ärzte ihren Patienten wieder zur Endoskopie in die Klinik bestellt. Dabei zeigten sich keinerlei Überreste des Bezoars mehr und auch die Druckgeschwüre waren vollständig ausgeheilt.

10 Zentimeter groß war das Gebilde im Magen des 76-jährigen Patienten, das die Ärzte als Phytobezoar identifizierten.

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