Ärzte Zeitung online, 07.02.2018

WHO

Videospielsucht als Krankheit anerkannt

Videospielsucht als Krankheit anerkannt

Stundenlanges Videospielen allein reicht nicht für die Diagnose "GamingDisorder". Es müssen auch merkliche Beeinträchtigungen der körperlichen Funktion aufgetreten sein.

© scyther5 / Getty Images / iStock

GENF. De Weltgesundheitsorganisation (WHO) nimmt die Sucht nach Videospielen in ihren Katalog von psychischen Krankheiten auf. Das bestätigte der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch in Genf. Der neue Katalog wird im Juni aufgelegt. Darauf stützen sich etwa nationale Gesundheitsbehörden und Versicherungen.

Die Diagnose "Gaming Disorder" geht über stundenlanges Videospielen hinaus. Vielmehr sind Menschen gemeint, deren Leben durch die Sucht nachhaltig verändert wird und die nicht aufgeben können. "Diese Sucht beeinträchtigt auch körperliche Funktionen", sagte Tedros. Er nannte etwa das Augenlicht und die Fitness. Die Aufnahme in den Katalog sei ein erster Schritt, dann entwickele die WHO Richtlinien für Behandlungsmöglichkeiten.

Tedros will die Reaktionsschnelligkeit der WHO bei Notlagen wie großen Krankheitsausbrüchen erhöhen. Dazu sollen Länder mit der nötigen Kapazität eigene Nothelferteams aufbauen, die binnen 72 Stunden auch in Nachbarländern eingesetzt werden können. Sie sollten mit echten Übungseinsätzen trainiert werden.Er erwarte bis zur WHO-Jahrestagung im Mai Zusagen von Ländern, die solche Teams aufstellen könnten. Beim Ausbruch der Ebola-Krise in Afrika 2014 hatte die WHO selbst eingeräumt, zu zögerlich reagiert zu haben. Mehr als 11.000 Menschen kamen um.

Er werde in den WHO-Programmen in aller Welt mehr Fokus auf Krankheitsvorbeugung legen und auf die Verbesserung der medizinischen Grundversorgung. Die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels müssten zudem ein zentrales Thema werden, sagte Tedros.(dpa)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Stromstimulation hilft Gedächtnis auf die Sprünge

US-Forscher haben mit einer speziellen Wechselstromstimulation das Arbeitsgedächtnis von über 60-Jährigen auf das Niveau von 20-Jährigen gehoben – zumindest für kurze Zeit. mehr »

Aufklärung alleine verpufft

Nicht nur zu Ostern locken Schokolade und Co.: Laut DONALD-Studie liegt der Zuckerverzehr gerade bei Kindern und Jugendlichen noch immer über der WHO-Empfehlung. Forscher sehen hier die Politik in der Pflicht. mehr »

Länger geguckt, eher gekauft

Menschen treffen irrationale Kaufentscheidungen, so eine Studie: Allein eine lange Betrachtungsdauer lässt Personen eher zugreifen – selbst, wenn das Produkt schlecht ist. mehr »