Ärzte Zeitung, 27.04.2005

Vitamin-Cocktail gibt lahmen Spermien wieder mehr Schwung

Homocystein-senkende Therapie verbesserte in einer Studie die Spermaqualität

ISTANBUL (ner/mut). Ein Vitamin-Cocktail kann offenbar einem Teil der unfruchtbaren Männer helfen: Haben solche Männer auch erhöhte Homocystein-Werte, steigert eine Therapie mit Folsäure, Vitamin B6 und B12 die Spermienzahl und die Spermien-Motilität.

Spermien unter dem Mikroskop. Foto: pa

Etwa ein Drittel der Männer mit schlechter Spermaqualität hat auch erhöhte Homocystein-Werte. Bei solchen Männern ist die Durchblutung des Hodens vermindert, hat Dr. Ralf Herwig von der Uniklinik Innsbruck berichtet. Die Durchblutung beeinflußt wiederum die Spermien-Motilität und die Spermienzahl im Ejakulat.

In einer Pilotstudie mit 40 jungen Männern mit unterdurchschnittlicher Spermienzahl, verringerter Motilität und erhöhten Homocystein-Werten haben die Ärzte jetzt die Wirksamkeit einer Homocystein-senkenden Therapie untersucht. Die Teilnehmer erhielten drei Monate lang täglich 300 µg Folsäure, 3 mg Vitamin B6 sowie 3 µg Vitamin B12.

Während der Therapie sanken die Homocystein-Spiegel von im Schnitt 13,5 µmol/l auf 9,7 µmol/l. Werte unter 10 µmol/l gelten als unproblematisch. Zugleich stieg die Spermienzahl im Ejakulat von im Schnitt 44 Millionen/ml auf 55 Millionen/ml, so Herwig beim Europäischen Urologenkongreß in Istanbul. Die Grenze zur Unfruchtbarkeit liegt etwa bei einer Spermienzahl von weniger als 20 bis 40 Millionen/ml.

Bei einem Teil der Männer mit sehr niedriger Spermienzahl (9 Millionen/ml) und initial stark erhöhten Homocysteinwerten kam es fast zu einer Verdreifachung der Spermienzahl während der Therapie. Zudem nahm die Spermien-Motilität signifikant zu.

"Bei Männern mit einer schlechten Spermaqualität und erhöhten Homocysteinwerten würde ich eine solche Therapie durchaus als Option sehen, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen", sagte Herwig zur "Ärzte Zeitung". Der Nutzen der Vitamintherapie müsse jetzt aber in großen Studien überprüft werden.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Hoffnung auf simple Vitamin-Therapie

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