Ärzte Zeitung online, 02.01.2017
 

Fünf Methoden im Test

Haut im Reißverschluss: Mineralöl verhilft zur Freiheit

Ein Vorteil des Reißverschlusses ist seine einfache und rasche Bedienbarkeit. Gewisse seiner Einsatzgebiete liegen aber relativ nah an den äußeren Genitalien. Und das kann ein schmerzhafter Nachteil sein.

Von Robert Bublak

GRAND RAPIDS. Der klassische Reißverschlussnotfall betrifft Knaben, die, weil es ihnen pressiert, den Hosenlatz allzu rasch verschließen wollen und dabei die Penishaut zwischen Schieber und Zähnen des Verschlusses verklemmen.

Den Betroffenen ist mit dem Hinweis auf die relative Seltenheit solcher Vorfälle ebenso wenig gedient wie mit der Information, dass die Unfallfolgen in aller Regel harmlos sind. Denn die Angelegenheit ist schmerzhaft, und jetzt pressiert es erst recht.

Hühnerhaut als Modell

Wie aber befreit man den eingeklemmten Hautbereich an delikater Stelle am wirksamsten und raschesten und mit den geringsten Folgeblessuren? Notfallmediziner um Mark Oquist vom Michigan State University College of Human Medicine in Grand Rapids haben fünf Methoden getestet (Am J Emerg Med 2016, online 2. November). In einen Reißverschluss verklemmte Hühnerhaut diente dabei als Modell. 30 erfahrene und weniger erfahrene Notfallmediziner machten sich daran zu schaffen.

Mit einer Erfolgsrate von 14–24 Prozent erwies sich die laterale Kompression des Schiebers mit einer Zange als die am wenigsten wirksame und zugleich traumatischste in puncto Hautläsionen. Auch der Versuch, durch Drehen eines Schraubenziehers die Öffnung des Schiebers zu vergrößern und die Haut zu befreien, erwies sich als nicht besonders erfolgreich (29–35 Prozent) und ebenfalls recht verletzungsträchtig.

Das Durchtrennen des Schieberkeils mit einer Knochenzange führte in mehr als der Hälfte der Fälle zur Hautbefreiung (53–57 Prozent). Sehr effektiv war es, den Reißverschluss auf der verzahnten Seite zu durchtrennen und die Krampen voneinander zu lösen (77–86 Prozent). Dies war auch die schonendste Methode.

Mineralöl bringt rasche Hilfe

Als die alles in allem beste Methode erwies es sich aber, den Reißverschluss an der Klemmstelle mit Mineralöl zu beträufeln und anschließend vorsichtig am Schieber zu manipulieren. Das Verfahren hatte die höchsten Erfolgsquoten (94–100 Prozent) bei mäßiger Traumatisierung des Gewebes. Auch ging es mit einer Dauer von im Mittel knapp einer Minute am raschesten vonstatten.

Die Inzidenz durch Reißverschluss verursachter Genitalläsionen haben US-Urologen um Herman Bagga (San Francisco) untersucht (BJU International 2013; 112: E191–E194). Anhand der Daten, die von der US-Verbraucherschutzkommission CPSC vorgehalten werden, schätzten Bagga und Kollegen die Zahl der Penisverletzungen durch Reißverschlüsse in den Jahren 2002 bis 2010 auf USA-weit rund 18.000.

Oft Fehlgebruch vom Zippverschluss

Knapp 30 Prozent aller Penisläsionen von Erwachsenen lag der Fehlgebrauch eines Zippverschlusses zugrunde, was Platz eins in der Ursachenstatistik bedeutete. Im pädiatrischen Kollektiv erreichte die Quote circa 17 Prozent. Nur von Quetschungen des Penis durch Toilettenbrillen wurden Knaben noch häufiger ereilt.

Weniger als 1 Prozent der Verletzungen durch Reißverschlüsse betrafen das Skrotum. Rein anekdotischen Charakter hatten Unfälle mit Zippern im Genitalbereich, in die Frauen verwickelt waren. Lediglich fünf Fälle in den genannten neun Jahren standen in den Akten vermerkt. In vieren davon waren die Labien in Mitleidenschaft gezogen worden, in einem Fall war ein Reißverschlussteil als Fremdkörper in die Vagina vorgedrungen.

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