Ärzte Zeitung online, 04.10.2018

2. Hypospadie Weltkongress

Bei der Hypospadie fehlt es noch an Grundlagenforschung

Bei der Hypospadie sind noch viele Fragen offen, etwa warum die Inzidenz der Fehlbildung steigt. Auch fehlt eine einheitliche Klassifikation. Dies wollen Experten beim Hypospadie-Weltkongress in Offenbach nun ändern.

Von Katharina Grzegorek

OFFENBACH. Sie ist eine der häufigsten angeborenen urogenitalen Fehlbildungen: die Hypospadie. Bei etwa einem vom 125 männlichen Säuglingen ist die Urethra fehlgebildet und mündet nicht an der Penisspitze. Beim 2. Hypospadie Weltkongress in Offenbach treffen sich über 200 Kinderurologen und -chirurgen aus mehr als 40 Ländern, um sich über die neusten Erkenntnisse auf dem Gebiet auszutauschen.

So haben etwa Studien ergeben, dass die Inzidenz der Hypospadie zunimmt, wie Professor Ahmed Hadidi, Chefarzt der Kinderchirurgie am Sana Klinikum Offenbach und Leitender Arzt der Kinderchirurgie an der Emma Klinik Seligenstadt, im Vorfeld des Kongresses erklärte. Die Gründe hierfür seien noch nicht ganz klar. Insgesamt gebe es noch wenig Grundlagenforschung auf diesem Gebiet – diese zu fördern sei daher auch ein Ziel des Kongresses.

Vermutet wird, dass neben einer genetischen Prädisposition, auch Umweltgifte, wie Pesitizide, einen Einfluss auf die Entstehung von Hypospadien haben. In einer Studie zeigte sich auch ein Zusammenhang mit der beruflichen Exposition der Mutter mit Haarspray. Auch eine Hormonzufuhr in der Schwangerschaft zur Vorbereitung auf eine in-vitro-Fertilisation wird diskutiert.

Therapie bei der Hypospadie ist bekanntlich die Operation. Neben den funktionellen Aspekten ist die Operation auch psychologisch von Bedeutung. So seien Hadidi Fälle von über 20-Jährigen mit nicht operierter Hypospadie begegnet, die es aufgrund der Fehlbildung vermieden Sport zu machen oder partnerschaftlichen Beziehungen einzugehen.

Hadidi empfiehlt einen möglichst frühen Eingriff ab einem Alter von sechs Monaten. Bestätigt werden die Vorteile einer frühen Op unter anderem von Ergebnissen einer französischen Studie (BJU Int 2017; 119: 942-947). Hier wurden die Daten von etwa 460 Jungen mit Hypospadie analysiert, die im Alter von einem bis 16 Jahren einer Urethroplastik unterzogen wurden, Dabei lag die Komplikationsrate bei einer Op in den ersten beiden Lebensjahren mit 26 Prozent deutlich niedriger als bei späterer chirurgischer Korrektur (41 Prozent). Die Europäische Urologenvereinigung EAU rät ebenfalls zu einer Op im Alter von 6 bis 18 Monaten.

Neue und schonende Op-Methoden, wie sie im Sana Klinikum in Offenbach durchgeführt werden, tragen dazu bei, dass die Babys und Kleinkinder nach der Op nicht fixiert werden müssen, heißt es in einer Mitteilung des Klinikums. In der Regel könnten die Kinder schon nach wenigen Tagen die Klinik verlassen.

Was bei der Hypospadie allerdings noch fehle, sei eine einheitliche, internationale Klassifikation. Dazu wollen die Experten beim Kongress eine Entscheidung treffen, so Hadidi.

2. Hypospadie Weltkongress

  • Zum 2. Hypospadie Weltkongress in Offenbach werden rund 200 Kinderchirurgen und Kinderurologen aus über 40 Ländern erwartet.

  • Beim Kongress soll eine Entscheidung zu einer einheitlichen Klassifikation der Hypospadie getroffen werden.

  • Unterstützt wird der Kongress von der Hypospadias international Society, einem gemeinnützigen Verein, sowie dem Sana Klinikum Offenbach

Weitere Infos: www.hypospadias-society.org/2nd-hypospadias-world-congress

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