Ärzte Zeitung, 02.03.2007

KOMMENTAR

Großer Kater nach Vitamin-Studie

Von Thomas Müller

Sind freie Radikale denn nicht schädlich? Ist oxidativer Stress etwa nicht an der Entstehung vieler Krankheiten von Alzheimer bis Herzinfarkt beteiligt? Jahrelang haben wir geglaubt, wir bleiben länger fit und gesund, wenn wir uns täglich ein paar Pillen mit Antioxidantien gönnen, um den Stress in unseren Zellen zu lindern. Und jetzt das!

Eine Zusatzdosis mit Vitamin A, E oder mit Beta-Karotin bringt uns sogar noch früher ins Grab, behaupten dänische Forscher. Da möchte man sich fast über die undankbaren Zellen ärgern, die sich so gar nicht an sicher geglaubte Theorien und vertraute Werbebotschaften halten. Können sich etwa 80 bis 160 Millionen Menschen irren, die in Europa und Nordamerika auf synthetische Vitamine setzen?

Ja. So kann die knappe Antwort lauten. Denn wieder einmal zeigt, sich, dass Menschen nicht mechanistisch funktionieren. Nicht alles, was uns logisch und plausibel erscheint, klappt auch so in der Biologie. Ein gut gemeinter Eingriff an einer Stelle kann an anderer Stelle unabsehbaren Schaden verursachen. Es gibt nur eine Möglichkeit, das herauszufinden: Man muss es testen. Und die besten Werkzeuge dafür sind nun einmal große kontrollierte Studien.

Sicher, die dänische Meta-Analyse wird noch lange keinen Schlussstrich unter die Vitamin-Debatte ziehen. Doch sie passt gut zum Ergebnis ähnlicher Analysen: Eine vitaminreiche Ernährung ist gesund. Vitaminpillen bringen dagegen wenig - außer es liegt ein Vitaminmangel vor.

Lesen Sie dazu auch:
Zu viele Vitamine verkürzen offenbar das Leben

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