Ärzte Zeitung, 15.06.2007

Cholesterin-Senkung schon vor dem ersten Infarkt - das rettet viele Leben

Bei drei von vier Patienten wird ein zu hoher Cholesterinwert gemessen / Lipidtherapie beginnt oft zu spät

Hohe Cholesterinwerte frühzeitig erkennen und die Patienten konsequent behandeln - damit lassen sich viele Herzinfarkte und Schlaganfälle vermeiden. Doch noch immer kennen viele Deutschen ihre Cholesterinwerte nicht. Mit dem heutigen "Tag des Cholesterins" weist die "Lipid-Liga" darauf hin, dass eine frühzeitige Lipidsenkung Leben retten kann.

Ein hoher LDL-Wert ist bekanntlich nach dem Alter der wichtigste Risikofaktor für eine KHK. Dessen sind sich jedoch nur die wenigsten Menschen bewusst. Lediglich 45 Prozent der Bevölkerung wissen, dass Herz-Kreislauferkrankungen etwas mit erhöhten Blutfettwerten zu tun haben, so das Ergebnis einer Umfrage mit 5000 Personen in fünf europäischen Ländern.

Dabei liegt bei etwa drei Viertel der Deutschen mit bekannten Blutfettwerten der Gesamtcholesterinwert bei über 200 mg/dl, bei etwa zehn Prozent liegt er sogar über 300 mg/dl. Trotzdem erhalten viele dieser Patienten keine Therapie. Professor Achim Weizel von der Lipid-Liga schätzt sogar, dass nur 20 bis 30 Prozent der Infarkt-Patienten vor dem Infarkt eine adäquate Lipidtherapie erhalten, obwohl bei einem Teil von ihnen ein hohes kardiovaskuläres Risiko schon vor dem Ereignis bekannt ist.

Bestätigt wird dies etwa durch Analysen des Registers ACOS (Acute Coronary Syndrome). Darin sind in den Jahren 2000 bis 2002 Daten von fast 17 000 Patienten erfasst worden, die in Deutschland mit akutem Koronarsyndrom in die Klinik kamen. Dabei hatte jeder Zweite schon vor dem Ereignis ein hohes kardiovaskuläres Risiko, etwa durch eine KHK oder einen Diabetes mellitus oder eine PAVK. Von diesen hatten zuvor aber nur ein Viertel Lipidsenker erhalten.

Aus großen Studien weiß man jedoch, dass sich mit einer Statintherapie bei solchen Patienten das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich reduzieren lässt, und zwar um über ein Drittel in fünf Jahren. Eine Therapie schon vor dem Infarkt - das kann also Leben retten. Daher richten sich aktuelle Leitlinien zur Lipidsenkung primär nach der Höhe des kardiovaskulären Risikos. Reicht bei Patienten mit sehr hohem Risiko eine Statin-therapie nicht aus, um den Zielwert von unter 100 mg/dl zu erreichen, so gelingt dies oft mit einer Kombination von Statin und Ezetimib.

Nicht zu vergessen: Auch ein niedriger HDL-Wert ist ein Risikofaktor. Jede Erhöhung des HDL-Spiegels um 1 mg/dl senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um etwa drei Prozent. Steigern lässt sich der HDL-Wert gut mit retardierter Nikotinsäure und mit Fibraten. (mut)

Die wichtigsten Lipid-Zielwerte

  • 160 mg/dl LDL sollten auch dann nicht überschritten werden, wenn das Gesamtrisiko für ein Koronar-Ereignis sehr gering ist.

  • 130 mg/dl LDL ist der Maximalwert bei einem moderaten Risiko. Dazu zählen fast alle Männer über 50 mit einem weiteren Risikofaktor wie Rauchen oder Hypertonie. Besser noch wäre, solche Personen würden einen LDL-Wert von unter 100 mg/dl erreichen.

  • Unter 100 mg/dl LDL ist ein Muss bei KHK und Diabetes, aber auch für Hypertoniker mit mehreren weiteren Risikofaktoren. Besser noch wäre eine LDL-Senkung auf unter 70 mg/dl.

  • Über 40 mg/dl HDL (Männer) und über 50 mg/dl (Frauen) sollten es vor allem bei KHK sein.

  • Unter 150 mg/dl sollte der Wert für Triglyzeride liegen. 

Risikobestimmung:
Das Infarkt-Risiko lässt sich einfach berechnen

Lipid-Therapie:
Konsequente Lipidtherapie schützt vor Infarkten

Blick in die Zukunft:
Neue Ansatzpunkte für bessere Cholesterinwerte

Lesen Sie dazu auch:
Aktionen zum Tag des Cholesterins
Cholesterin in Zahlen
Cholesterin im Internet
Cholesterin in Kürze
Handbuch für die Lipidtherapie

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