Direkt zum Inhaltsbereich

Cholesterin-Senkung schon vor dem ersten Infarkt - das rettet viele Leben

Hohe Cholesterinwerte frühzeitig erkennen und die Patienten konsequent behandeln - damit lassen sich viele Herzinfarkte und Schlaganfälle vermeiden. Doch noch immer kennen viele Deutschen ihre Cholesterinwerte nicht. Mit dem heutigen "Tag des Cholesterins" weist die "Lipid-Liga" darauf hin, dass eine frühzeitige Lipidsenkung Leben retten kann.

Veröffentlicht:

Ein hoher LDL-Wert ist bekanntlich nach dem Alter der wichtigste Risikofaktor für eine KHK. Dessen sind sich jedoch nur die wenigsten Menschen bewusst. Lediglich 45 Prozent der Bevölkerung wissen, dass Herz-Kreislauferkrankungen etwas mit erhöhten Blutfettwerten zu tun haben, so das Ergebnis einer Umfrage mit 5000 Personen in fünf europäischen Ländern.

Dabei liegt bei etwa drei Viertel der Deutschen mit bekannten Blutfettwerten der Gesamtcholesterinwert bei über 200 mg/dl, bei etwa zehn Prozent liegt er sogar über 300 mg/dl. Trotzdem erhalten viele dieser Patienten keine Therapie. Professor Achim Weizel von der Lipid-Liga schätzt sogar, dass nur 20 bis 30 Prozent der Infarkt-Patienten vor dem Infarkt eine adäquate Lipidtherapie erhalten, obwohl bei einem Teil von ihnen ein hohes kardiovaskuläres Risiko schon vor dem Ereignis bekannt ist.

Bestätigt wird dies etwa durch Analysen des Registers ACOS (Acute Coronary Syndrome). Darin sind in den Jahren 2000 bis 2002 Daten von fast 17 000 Patienten erfasst worden, die in Deutschland mit akutem Koronarsyndrom in die Klinik kamen. Dabei hatte jeder Zweite schon vor dem Ereignis ein hohes kardiovaskuläres Risiko, etwa durch eine KHK oder einen Diabetes mellitus oder eine PAVK. Von diesen hatten zuvor aber nur ein Viertel Lipidsenker erhalten.

Aus großen Studien weiß man jedoch, dass sich mit einer Statintherapie bei solchen Patienten das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich reduzieren lässt, und zwar um über ein Drittel in fünf Jahren. Eine Therapie schon vor dem Infarkt - das kann also Leben retten. Daher richten sich aktuelle Leitlinien zur Lipidsenkung primär nach der Höhe des kardiovaskulären Risikos. Reicht bei Patienten mit sehr hohem Risiko eine Statin-therapie nicht aus, um den Zielwert von unter 100 mg/dl zu erreichen, so gelingt dies oft mit einer Kombination von Statin und Ezetimib.

Nicht zu vergessen: Auch ein niedriger HDL-Wert ist ein Risikofaktor. Jede Erhöhung des HDL-Spiegels um 1 mg/dl senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse um etwa drei Prozent. Steigern lässt sich der HDL-Wert gut mit retardierter Nikotinsäure und mit Fibraten. (mut)



Die wichtigsten Lipid-Zielwerte

  • 160 mg/dl LDL sollten auch dann nicht überschritten werden, wenn das Gesamtrisiko für ein Koronar-Ereignis sehr gering ist.
  • 130 mg/dl LDL ist der Maximalwert bei einem moderaten Risiko. Dazu zählen fast alle Männer über 50 mit einem weiteren Risikofaktor wie Rauchen oder Hypertonie. Besser noch wäre, solche Personen würden einen LDL-Wert von unter 100 mg/dl erreichen.
  • Unter 100 mg/dl LDL ist ein Muss bei KHK und Diabetes, aber auch für Hypertoniker mit mehreren weiteren Risikofaktoren. Besser noch wäre eine LDL-Senkung auf unter 70 mg/dl.
  • Über 40 mg/dl HDL (Männer) und über 50 mg/dl (Frauen) sollten es vor allem bei KHK sein.
  • Unter 150 mg/dl sollte der Wert für Triglyzeride liegen. 

Risikobestimmung: Das Infarkt-Risiko lässt sich einfach berechnen

Lipid-Therapie: Konsequente Lipidtherapie schützt vor Infarkten

Blick in die Zukunft: Neue Ansatzpunkte für bessere Cholesterinwerte

Lesen Sie dazu auch: Aktionen zum Tag des Cholesterins Cholesterin in Zahlen Cholesterin im Internet Cholesterin in Kürze Handbuch für die Lipidtherapie

Mehr zum Thema

Studie mit Älteren

Hat Abnehmen (k)einen Effekt auf Vorhofflimmern?

Hautärztliche Empfehlungen

Welche Ernährung bei Akne ratsam ist

Medizin aus dem Kochtopf

Wie Ernährung die altersbedingte Makuladegeneration beeinflusst

Das könnte Sie auch interessieren
Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

© Aleksandr | colourbox.de

Fatal verkannt

Vitamin-B12-Mangel frühzeitig behandeln!

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

© polkadot - stock.adobe.com

Vitamin-B12-Mangel

Aktuelle Empfehlungen für die Praxis

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
B12-Mangel durch PPI & Metformin

© Pixel-Shot - stock.adobe.com

Achtung Vitamin-Falle

B12-Mangel durch PPI & Metformin

Anzeige | WÖRWAG Pharma GmbH & Co. KG
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Folgen einer Fehldiagnose bei Menschen mit einer Seltenen Erkrankung (SE), die angaben, dass ihre SE oder die SE einer von ihnen betreuten Person mindestens einmal falsch diagnostiziert wurde (n=4.756)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neuromyelitis-Optica-Spektrum-Erkrankungen

Weshalb das rechtzeitige Erkennen und Behandeln wichtig ist

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Alexion Pharma Germany GmbH, München
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Hautärztliche Empfehlungen

Welche Ernährung bei Akne ratsam ist

Pro & Contra

Betablocker nach Herzinfarkt – Standard oder Einzelfallentscheidung?

Lesetipps
Hausarzt Florian Vorderwülbecke mit seiner Tasche

© Vincenz Vorderwülbecke

Auf Haus- und Heimbesuch

Die perfekte Hausbesuchstasche: Worauf Sie beim Packen achten können

Viel hilft viel? Die Studienlage zu Probiotika ist im besten Falle durchwachsen.

© Romario Ien / stock.adobe.com

Dissens in Bezug auf Wirksamkeit

Wem oder wogegen helfen Probiotika?

In Deutschland machen frühe Erkrankungen mit Darmkrebs (EOCRC), also vor dem 50. Lebensjahr circa 5 Prozent der Neudiagnosen aus.

© Dmytro / stock.adobe.com

Registerauswertung aus neun Bundesländern

Mehr Darmkrebs-Neudiagnosen bei Jüngeren in Deutschland