Ärzte Zeitung, 15.02.2006

Skidaumen - den gibt’s nicht nur beim Skifahren

Therapie richtet sich nach Ausmaß der Instabilität im Grundgelenk / Gute Diagnostik ist wichtig für Funktionserhalt

MÜNCHEN (ner). Tennisellenbogen kennt jeder, aber was ist mit dem Begriff Skidaumen gemeint? Diese Verletzung der ulnaren Seitenbänder am Daumengrundgelenk kann beim Sturz auf den abduzierten Daumen passieren. Solche Stürze kommen natürlich nicht nur beim Skifahren vor, aber sie sind typisch für diese Sportart. Ob konservativ oder chirurgisch behandelt wird, hängt vom Verletzungsgrad ab.

Der Arzt prüft die ulnarseitige Stabilität des Daumengrundgelenks, während der Patient den Daumen gestreckt hat.

Auch die Stabilität in Beugestellung wird getestet, wobei das Metakarpale-I-Gelenk stets fixiert ist. Fotos (2): Schulz

Beim Sturz auf den abduzierten Daumen mit oder ohne Extension reißen die distal gelegenen Kollateralbänder, oder sie werden zumindest gezerrt. Das Problem: Instabilitäten im Daumengrundgelenk können zur Arthrose, fixierten Daumenfehlstellungen und damit zu Einschränkungen der Greiffunktion führen. Daran erinnert der Orthopäde Dr. Christoph U. Schulz von der LMU München, Klinikum Großhadern (Orthopädie & Rheuma 1, 2006, 38).

Typisch für den Skidaumen: Der Daumen ist geschwollen, außerdem ist er im Daumengrundgelenk und am Daumenballen druckschmerzhaft. Die Beweglichkeit und die Kraft sind eingeschränkt. Nicht selten, so Schulz, könne man im ersten Interdigitalraum einen derben Knoten tasten. Dabei handle es sich um den proximalen Stumpf des ulnaren Kollateralbandkomplexes.

    Wichtig ist die Prüfung der Stabilität.
   

Wichtig ist es, die Stabilität des Grundgelenks zu überprüfen. Der Test wird unter vorsichtigem Valgusstreß (Druck auf den Daumen zur Abduktion) sowohl bei gestrecktem als auch leicht gebeugtem Daumen gemacht.

Dabei wird der erste Mittelhandknochen vom Untersucher mit einer Hand fixiert. Der Stabilitätstest erfolgt im Seitenvergleich. Bei einer Valgusinstabilität von mehr als 30 Grad oder einem Unterschied im Seitenvergleich von mehr als 15 Grad muß von einer kompletten Ruptur ausgegangen werden.

Um eine Abrißfraktur im Bereich der Grundphalanxbasis auszuschließen, werden Röntgenaufnahmen in zwei Ebenen gemacht. Solche Frakturen sollen bei jedem dritten Patienten vorkommen. Ob die Aufklappbarkeit des Daumengrundgelenks mit schmerzhaften Streßaufnahmen dokumentiert werden sollte, ist nach Angaben von Schulz umstritten.

Die Behandlungsstrategie richtet sich nach dem Ausmaß der Instabilität im Grundgelenk. Bei akuter Distorsion oder nicht-dislozierten Frakturen der Grundphalanxbasis reichen meist abschwellende Maßnahmen und die Ruhigstellung des Daumens im Gips oder in einer Orthese für vier bis sechs Wochen.

Bei kompletter Ruptur des Kollateralbandkomplexes oder dislozierter Gelenkflächenfraktur wird operiert. Die Erfolgsquote dabei sei hoch und die Komplikationsrate niedrig, sagte Schulz.

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