Ärzte Zeitung, 11.03.2009

Eine schonungslose Bestandsaufnahme

Etwa 220 000 Menschen leiden jeden Tag in Deutschland an behandlungsbedürftigen Krebsschmerzen.

Von Christoph Fuhr

Eine schonungslose Bestandsaufnahme

Fordert Recht auf kompetente Therapie für Schmerzpatienten: Dr. Marianne Koch.

Foto: imago

"Chronische Schmerzen sind keine schicksalsgewollte Last, die Patienten ertragen müssen", sagt Dr. Marianne Koch. "Schmerzen können behandelt und gelindert werden, und Schmerzkranke haben das Recht auf eine kompetente Therapie." Koch, Ärztin und Präsidentin der Deutschen Schmerzliga, hat zusammen mit Professor Hans Rüdiger Vogel im vergangenen Jahr das "Weißbuch Schmerz" herausgegeben, eine schonungslose Bestandsaufnahme der aktuellen Versorgungssituation.

Danach hat sich das schmerztherapeutische und palliativmedizinische Angebot für Tumorpatienten in Deutschland zwar verbessert, ist aber noch längst nicht ausreichend. Die Liste der Mängel ist lang:

  • Die Ausbildung in der Schmerztherapie und Palliativmedizin ist weiter unzureichend.
  • Tumorschmerzen werden in Deutschland auch in zentralen Registern bisher immer noch unzureichend erfasst.
  • Die Schmerzdiagnose ist oft nicht differenziert.
  • Es mangelt an Leitlinien- Compliance.
  • Es gibt Fehler und Unterlassungen in der medikamentösen Schmerztherapie.
  • Bei Ärzten, Patienten und Angehörigen ist immer noch eine "Angst vor Opioiden" zu beobachten.
  • Das Betäubungsmittelrecht bleibt ein Hemmnis bei der Versorgung.
  • Die Versorgungsstrukturen sind unzureichend - von "flächendeckend" kann bisher keine Rede sein.

Trotz aller Defizite - der Ausblick der Weißbuch-Autoren stimmt optimistisch: "Die Politik erkennt zunehmend, dass die einzig richtige Antwort auf Diskussionen um aktive Sterbehilfe ein ausreichendes und qualitativ hochwertiges schmerztherapeutisches und palliativmedizinisches Angebot ist."

Marianne Koch, Hans Rüdiger Vogel: Weißbuch Schmerz, Stuttgart, Thieme-Verlag, 2008, 119 Seiten, Euro 29,95.

Lesen Sie dazu auch:
Schmerzlinderung bei Tumorpatienten muss weiter verbessert werden
Keine Opioidtherapie ohne Obstipations-Prophylaxe!
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