Ärzte Zeitung, 31.08.2008

Klippe 3

Verteilung unter Regionen und Fachgruppen

Als Folge der neuen Vergütungssystematik treten erwünschte und unerwünschte Verteilungswirkungen auf.

Grundsätzlich erwünscht war es, Ärzte in denjenigen Regionen deutlich besser zu stellen, die überdurchschnittlich viele Patienten mit überdurchschnittlicher Morbidität behandeln. Dieses Ziel ist weitestgehend erreicht worden. Die Ärzte in den neuen Bundesländern erhalten eine Honoraraufstockung von 680 Millionen Euro, das sind 20 Prozent.

Das ist Folge des für sie höheren Punktwertes und des damit bezahlten höheren morbiditätsbedingten Leistungsbedarfs. Das Vergütungsniveau der Ärzte in den neuen Bundesländern steigt damit von 81 auf etwa 95 Prozent des Westniveaus. Mit überdurchschnittlichen Zuwächsen können außerdem Vertragsärzte in Westfalen, Berlin und Niedersachsen rechnen (etwa 13 bis 14 Prozent).

Dem stehen allerdings Regionen mit nur geringen Zuwächsen gegenüber: Genannt werden Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern. Sichergestellt werden musste aber, dass es nicht zu Verlusten kommt.

Ein weiteres Problem: die Honorarverteilung zwischen Haus- und Fachärzten. Da die bisherige Trennung in ein Hausarzt- und ein Facharztbudget (das führte zu höheren Punktwerten bei den Hausärzten) nicht mehr im Gesetz steht, führt ein nun einheitlich geltender Punktwert für alle Ärzte dazu, dass Honorarzuwächse von Haus- zu Fachärzten umverteilt worden wären. Ein Teil der gewollten Leistungsaufwertungen im EBM 2008 wäre den Hausärzten damit genommen worden. In diesem Fall zeigte sich, dass es von Vorteil war, dass das Bundesgesundheitsministerium in die Verhandlungen einbezogen war: Es stimmte einer für drei Jahre verlängerten Vergütungstrennung zu.

Lesen Sie dazu auch:
Honorarwende für die Vertragsärzte
Arzthonorar: Geld allein reicht nicht!
Kassen hadern mit Ergebnis
Klippe 1: Prävention und extrabudgetäre Leistungen
Klippe 2: Das Aus für Verträge über Honorarverteilung

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Orientierung am kranken Menschen

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Wenn Frauen beim Sex Urin verlieren

Unwillkürlicher Urinabgang beim Geschlechtsverkehr tritt bei Frauen öfter auf, als viele glauben. Gesprochen wird darüber nur selten. Dabei könnte den Betroffenen geholfen werden. mehr »

Aufgeschlossen, aber schlecht informiert

Jugendliche und junge Erwachsene halten sich beim Thema Organspende für eher schlecht informiert. Trotzdem sind sie dafür wesentlich aufgeschlossener als Ältere. mehr »

Hirnschaden durch zu viel Selen

Fast blind und dement kommt eine Frau zum Arzt. Dieser findet das Problem: Sie hat lange viele Selenpillen geschluckt. Die Nahrungsergänzung schädigte ihr Hirn dauerhaft. mehr »