Ärzte Zeitung, 25.06.2009

Kommentar

Die GKV am Tropf des Staates

Von Florian Staeck

Gern nennt man den Bundeshaushalt das "Schicksalsbuch der Nation". Nimmt man den Entwurf des Haushalts für 2010, dann dräut Deutschland ein schweres Schicksal. Die Nettokreditaufnahme beträgt im kommenden Jahr 86 Milliarden Euro, bis 2013 erwartet der Bund Steuerausfälle in Höhe von 152 Milliarden Euro.

Beängstigend ist vor allem, in welch babylonische Gefangenschaft sich der Bund inzwischen durch den Schuldendienst und den Zuschuss an die Sozialversicherungen gebracht hat. 40 Milliarden werden für Zinsen und Tilgung verwendet, 81 Milliarden fließen in die Rentenversicherung. Auch die Gesetzliche Krankenversicherung wird - politisch gewollt - immer mehr zum Zuschussfall. 11,8 Milliarden Euro gehen an die Krankenkassen. 2012 soll mit 14 Milliarden Euro der Höchststand erreicht sein. Zugleich sieht allerdings die Finanzplanung des Bundes pauschale Ausgabenkürzungen von 37 Milliarden Euro vor.

Wo dann wohl gespart wird? Je mehr umlagefinanzierte Sozialversicherungen durch Steuern gestützt werden, desto stärker geraten sie in wachsende Verteilungskämpfe. Hinzu kommt: Der Staat wird bei der Vergabe der knappen Steuer-Euro an die GKV nicht nur Kellner sein wollen, sondern auch Koch.

Lesen Sie dazu auch:
GKV rechnet 2010 mit Zusatzbeiträgen
Haushalt 2010 sieht 11,8 Milliarden Euro für GKV vor

 

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (17808)
Personen
Florian Staeck (1219)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »