Ärzte Zeitung online, 31.07.2018

Transplantationsmedizin

Widerspruchslösung für Saarland denkbar

Einen "sensiblen Weg", der Ängste wahrnimmt, aber auch zu mehr Organspenden führt, fordert die saarländische Gesundheitsministerin.

SAARBRÜCKEN. Die saarländische Gesundheitsministerin Monika Bachmann setzt bei Organspenden weiter auf Freiwilligkeit, würde aber eine Widerspruchslösung mittragen.

Dann müsse man allerdings auf eine zusätzliche Befragung der Angehörigen verzichten, forderte die CDU-Politikerin.

Vor Journalisten wies Bachmann darauf hin, dass schon jetzt jeder Urlauber beispielsweise bei einem Unfall in Spanien unfreiwillig zum Organspender werden könne, wenn er keinen dokumentierten Widerspruch mit sich führe.

Generell fände sie es gut, wenn jeder in Deutschland sich klar äußern würde, ob und welche Organe er zur Verfügung stellt, und Entscheidungen nicht Angehörigen überlasse. Deshalb sei sie auch gegen die sogenannte "erweiterte Widerspruchslösung", bei der zusätzlich die Angehörigen befragt werden müssten.

Breite Debatte gefordert

Bachmann begrüßte es, dass die Diskussion um das Transplantationsgesetz wieder in Gang komme, und forderte eine breite Debatte im Bundestag. "Wir müssen einen Weg finden, der sensibel ist, Ängste nimmt und zu mehr Transplantationen führt", sagte die Ministerin. Im Vordergrund müsse dabei das Werben und Überzeugen stehen.

Erfreut zeigte sich Bachmann, dass die letzte Gesundheitsministerkonferenz vor einem Monat in Düsseldorf auf Antrag des Saarlandes einen Kommunikationsweg nach Transplantationen befürwortet hat.

In dem einstimmig angenommenen Beschluss hatte sich die Ministerrunde für eine Gesetzesergänzung ausgesprochen, um über die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) einen anonymisierten Austausch von Dankesbriefen von Empfängern an Spender zu ermöglichen.

Diese früher gängige Praxis wurde 2016 aufgrund datenschutzrechtlicher Bedenken eingestellt. Nach dem Eindruck von Bachmann ist aber für Betroffene "die Möglichkeit, wenigstens Dankeschön zu sagen", für die emotionale Verarbeitung der Transplantation wichtig. (kud)

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