Ärzte Zeitung online, 31.05.2017

Medizinischer Dienst der Krankenkassen

Meldepflicht für Kunstfehler?

Ein Kommentar von Helmut Laschet

Die unbefriedigende Datenlage bei Behandlungsfehlern hat den Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) zu der Forderung veranlasst, eine Meldepflicht für "Ereignisse" in Praxen und Krankenhäusern einzuführen. Eine gute Idee, weil sie Transparenz schafft?

Eher nicht. Vor allem deshalb nicht, weil der MDS den etwas vagen Begriff des "unerwünschten Ereignisses" verwendet, hinter dem sich alles Mögliche verbirgt und mit dem sich eher eine Scheintransparenz erzeugen lässt. Mehr unerwünschte Ereignisse kann es auch deshalb geben, weil Patienten kränker sind, Behandlungen komplizierter und risikoreicher werden. Und nicht deshalb, weil Ärzte nachlässig arbeiten.

Es tritt eines hinzu: Beim Verdacht auf Behandlungsfehler geht es auch immer um juristische Aspekte: die zivil- und strafrechtliche Haftung des Arztes. Eine Meldepflicht für jedes unerwünschte Ereignis könnte eine Pönalisierung bewirken, die kontraproduktiv für die ärztliche Fehlerkultur wäre.

Es muss möglich bleiben, tatsächliche oder Beinahe-Fehler, die für den Patienten ohne Folgen geblieben sind, unter Ärzten offen zu diskutieren und daraus gemeinsam zu lernen. Das ist jedenfalls besser als eine scheinbare Transparenz auf Basis von Meldepflichten.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

TSVG-Dialog mit offenem Ende

Jens Spahn (CDU) und Vertreter der Ärzteschaft haben beim mit Spannung erwarteten Dialog in Berlin die Klingen gekreuzt. Am Ende blieben Perspektiven für Kompromisse. mehr »

Varizellen-Impfung – ein Segen für Kinder

Seit 2004 wird allen Kindern die Impfung gegen Windpocken empfohlen. Der Schutz ist eine Erfolgsgeschichte: Die Krankheit wurde zurückgedrängt und mögliche schwere Komplikationen werden vermieden. mehr »

So viel Zucker pro Tag darf's sein

Die Auswertung von Fachstudien ist eindeutig genug, um eine konkrete Obergrenze für den täglichen Zuckerkonsum festzulegen. Drei Fachgesellschaften haben sich nun auf eine Menge geeinigt. mehr »